Dr. Gotthilf (Adolf) Schenkel

Verfolgung
März 1933
Schenkel ist evangelischer Stadtpfarrer an der Pauluskirche in Stuttgart-Zuffenhausen und Schriftleiter des »Sonntagsblatts des arbeitenden Volkes«. Im März 1933 organisiert die SA Demonstrationen vor dem Pfarrhaus, in dem sich Schenkels Wohnung befindet.
Mitte März 1933
Mitte März 1933 wird Schenkel auf Drängen des Kirchengemeinderats vom Oberkirchenrat in Stuttgart als Stadtpfarrer zunächst beurlaubt, dann entlassen. Im Mai 1933 wird er von der Kirchenleitung als Pfarrverweser nach Unterdeufstetten (heute zu Fichtenau bei Crailsheim gehörig) versetzt. (Schenkel ist mutmaßlich der erste Pfarrer in Deutschland, der 1933 im Nationalsozialismus aus politischen Gründen sein Amt verlor.)
März 1933
Schenkel tritt im März 1933 unter dem Druck der NS-Behörden aus der SPD aus.
22.03.1933
Schenkel wird am 22. März 1933 von SA-Leuten in »Schutzhaft« genommen und am gleichen Tag wieder freigelassen. Er taucht daraufhin mit seiner Familie vorübergehend unter.
Biografie
Sohn eines Missionars in Indien
Volksschule in Steinheim
1896
Baseler Missionsknabenhaus
1900
Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart
1903
Karls-Gymnasium in Stuttgart
1904
Evangelisch-theologisches Seminar in Schöntal
Oktober 1908
Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger
1909
Studium der Evangelischen Theologie und der Philosophie in Tübingen, dort Mitglied der Studentenverbindung Nicaria Tübingen
März 1914
Vikar in Freudenstadt
Juni 1914
Vikar in Wildbad
August 1914
Freiwilliger Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, Anfang 1915 schwer verwundet, danach dienstunfähig
Juli 1915
Vikar und Stadtpfarrverweser in Zuffenhausen
ab April 1918
Unterrichtsoffizier beim stellvertretenden Generalkommando in Stuttgart
ab 27.09.1918
Stadtpfarrer in Zuffenhausen
1919
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Zu den 3 Cedern
1923
Schenkel verfasst für die »Württembergische Zeitung« die Kolumne »Sonntagsgedanken eines schwäbischen Pfarrers«.
1926
Promotion an der Universität Tübingen über das Thema »Die Freimaurerei im Licht der Religions- und Kirchengeschichte«
1926
Eintritt in die SPD
Ausgeprägte schriftstellerische Tätigkeit
Geschäftsführer des Bau- und Heimstättenvereins Stuttgart
Schriftleiter des Sonntagsblatts »Der religiöse Sozialist«
1933
Pfarrerverweser in Unterdeufstetten bei Crailsheim, ab 1945 dort Pfarrer
1947
Stadtpfarrer in Oberesslingen
1947
Dozent an der Technischen Hochschule Stuttgart für allgemeine Religionswissenschaft sowie Individual- und Sozialethik
1947
Mitglied der Esslinger Freimaurerloge Zur Katharinenlinde, dort 1956 bis 1959 Meister vom Stuhl
1951
Kultminister von Württemberg-Baden, ab 1952 von Baden-Württemberg
1952
Mitglied des Gemeinderats in Esslingen am Neckar
1956
Mitglied des Vereins der Freunde und Förderer der Wilhelma, bis 1960 dessen Vorsitzender
1956
Vorsitz des Volksbunds Deutsche Kriegsgräberfürsorge im Ortsbereich Esslingen
1957
Mitglied des Vereins der Freunde und Förderer des Instituts für Psychotherapie und Tiefenpsychologie in Stuttgart
1959
Mitglied des Kreistags Esslingen
Rezeption
2002
Namenspatron des Dr.-Gotthilf-Schenkel-Wegs in Stuttgart-Zuffenhausen
Literatur
Rainer Lächele: Gotthilf Schenkel, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 402-403.
Weik 2003, S. 129.
Hermann Ehmer: Gotthilf Schenkel. Pfarrer, religiöser Sozialist, Politiker, in: Uracher Köpfe, hrsg. von Dieter A. Bloedt, Bad Urach 2009, S. 239-245.
Patrick Sturm: Nachlass Dr. Gotthilf Schenkel, Stuttgart 2013.
Peter Bohl: Gotthilf Schenkel. Einer, der widerstand! Sein Kampf gegen die NSDAP im Jahr 1933, in: Archivnachrichten. Landesarchiv Baden-Württemberg, 50, 2015, S. 14-15.
Ralf-Bernd Herden: Dr. Gotthilf Schenkel. Sozialist, Christ, Freimaurer, Pfarrer, Pazifist, Politiker, in: Tau, Zeitschrift der Forschungsloge Quatuor Coronati, 42, 2016, 1, S. 99-105.
Nicole Bickhoff: Gotthilf Adolf Schenkel, in: Gelebte Utopie. Auf den Spuren der Freimaurer in Württemberg. Begleitbuch zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, bearb. von Albrecht Ernst, Regina Grünert, Stuttgart 2017, S. 145-147.