Gottlob Kamm

Verfolgung
April 1933
Im April 1933 wird ein Teil von Kamms Privatbibliothek von der Schorndorfer NSDAP-Ortsgruppe beschlagnahmt. Im Januar 1934 werden weitere Bücher, die Kamm ausgelagert hat, von der Gestapo Stuttgart beschlagnahmt. Ein Teil dieser Bücher wird auf dem Marktplatz in Schorndorf verbrannt.
01.02.1934
Kamm wird am 1. Februar 1934 in »Schutzhaft« genommen und zunächst in Schorndorf, dann im Konzentrationslager Oberer Kuhberg in Ulm inhaftiert. Am 20. Mai 1934 wird er dort aus der Haft entlassen.
14.04.1944
Kamms Sohn Bertold Kamm (geb. 10. Mai 1926) ist in Salzburg aktiv in der illegalen katholischen Jugendbewegung Bund Neudeutschland. Am 14. April 1944 wird er deshalb von der Gestapo verhaftet und in Wien inhaftiert. Kamm fährt daraufhin nach Wien, um sich dort für seinen Sohn einzusetzen. Bertold Kamm wird schließlich im Juni 1944 aus der Haft entlassen - allerdings unter der Voraussetzung, dass er sich »freiwillig« zu den Fallschirmjägern meldet. (Im Oktober 1944 gerät Bertold Kamm als Fallschirmjäger in britische Kriegsgefangenschaft.)
Biografie
Volksschule in Schorndorf
Mai 1911
Lehre als Schlosser
Mai 1914
Tätigkeit als Schlossergeselle
August 1916
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, schwer verwundet (Amputation des rechten Oberschenkels)
bis 1920
Feinmechaniker bei einer Firma in Stuttgart-Feuerbach
April 1920
Sachbearbeiter, später Berufsberater und Außenbeamter bei der Hauptfürsorgestelle Stuttgart
1923
Sachbearbeiter beim Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV)
1925
Mitglied des Stadtrates in Schorndorf
1925
Inhaber des Bahnhofskiosks in Schorndorf
bis 1933
Lokalredakteur der »Freien Volkszeitung« in Göppingen
1934
Mechaniker in Cannstatt
1945
Bürgermeister von Schorndorf
1946
Staatssekretär für Sonderaufgaben in Nordwürttemberg-Nordbaden
Juli 1946
Württemberg-badischer Landesminister für politische Befreiung
1947
Abgeordneter des Kreistags
Mai 1948
Arbeitslos
ab Dezember 1950
Arbeitsgerichtsrat beim Arbeitsgericht Stuttgart
1953
Leiter der Hauptfürsorgestelle von Baden-Württemberg
1954
Mitglied des Stadtrates in Schorndorf
Rezeption
1953
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1967
Ehrenbürger Schorndorfs
Namenspatron des Gottlob-Kamm-Platzes in Schorndorf
Namenspatron der Gottlob-Kamm-Straße in Neckargemünd
2007
Anbringung einer Ehrentafel an Kamms Geburtshaus in Schorndorf
Literatur
Wilfried Braunn (Bearb.): Nachlaß Gottlob Kamm, Stuttgart 1976.
Günther Zollmann: Ehrenbürger Gottlob Kamm starb vor 10 Jahren, in: Heimatblätter. Jahrbuch für Schorndorf und Umgebung, 1, 1983, S. 141-144.
Weik 2003, S. 73.
Bertold Kamm, Wolfgang Mayer: Der Befreiungsminister. Gottlob Kamm und die Entnazifizierung in Württemberg-Baden, Tübingen 2005.
Michael Kitzing: Gottlob Kamm, in: Baden-Württembergische Biographien, 6, 2016, S. 225–229.
Ruth Kamm: Leben im Grenzgebiet. Meine Jugend in Oberschlesien, Norderstedt 2016, S. 95.