Gottlob Kamm

Parlament

1946
Verfassungsgebende Landesversammlung Württemberg-Baden (SPD, Wahlkreis 26 Waiblingen)

1946
Landtag Württemberg-Baden (SPD, Wahlkreis 26 Waiblingen)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 21.10.1897, Schorndorf
Ehe Rosa geb. Baumhauer (1925)
Beruf Mechaniker, Kioskbesitzer, Redakteur, Landesminister
Kinder 4
Konfession Evangelisch
Verstorben 20.11.1973, Schorndorf

Verfolgung

April 1933
Im April 1933 wird ein Teil von Kamms Privatbibliothek von der Schorndorfer NSDAP-Ortsgruppe beschlagnahmt. Im Januar 1934 werden weitere Bücher, die Kamm ausgelagert hat, von der Gestapo Stuttgart beschlagnahmt. Ein Teil dieser Bücher wird auf dem Marktplatz in Schorndorf verbrannt.

01.02.1934
Kamm wird am 1. Februar 1934 in »Schutzhaft« genommen und zunächst in Schorndorf, dann im Konzentrationslager Oberer Kuhberg in Ulm inhaftiert. Am 20. Mai 1934 wird er dort aus der Haft entlassen.

14.04.1944
Kamms Sohn Bertold Kamm (geb. 10. Mai 1926) ist in Salzburg aktiv in der illegalen katholischen Jugendbewegung Bund Neudeutschland. Am 14. April 1944 wird er deshalb von der Gestapo verhaftet und in Wien inhaftiert. Kamm fährt daraufhin nach Wien, um sich dort für seinen Sohn einzusetzen. Bertold Kamm wird schließlich im Juni 1944 aus der Haft entlassen - allerdings unter der Voraussetzung, dass er sich »freiwillig« zu den Fallschirmjägern meldet. (Im Oktober 1944 gerät Bertold Kamm als Fallschirmjäger in britische Kriegsgefangenschaft.)

Biografie

Volksschule in Schorndorf

Mai 1911
Lehre als Schlosser

Mai 1914
Tätigkeit als Schlossergeselle

August 1916
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, schwer verwundet (Amputation des rechten Oberschenkels)

bis 1920
Feinmechaniker bei einer Firma in Stuttgart-Feuerbach

April 1920
Sachbearbeiter, später Berufsberater und Außenbeamter bei der Hauptfürsorgestelle Stuttgart

1923
Sachbearbeiter beim Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV)

1925
Mitglied des Stadtrates in Schorndorf

1925
Inhaber des Bahnhofskiosks in Schorndorf

bis 1933
Lokalredakteur der »Freien Volkszeitung« in Göppingen

1934
Mechaniker in Cannstatt

1945
Bürgermeister von Schorndorf

1946
Staatssekretär für Sonderaufgaben in Nordwürttemberg-Nordbaden

Juli 1946
Württemberg-badischer Landesminister für politische Befreiung

1947
Abgeordneter des Kreistags

Mai 1948
Arbeitslos

ab Dezember 1950
Arbeitsgerichtsrat beim Arbeitsgericht Stuttgart

1953
Leiter der Hauptfürsorgestelle von Baden-Württemberg

1954
Mitglied des Stadtrates in Schorndorf

Rezeption

1953
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1967
Ehrenbürger Schorndorfs

Namenspatron des Gottlob-Kamm-Platzes in Schorndorf

Namenspatron der Gottlob-Kamm-Straße in Neckargemünd

2007
Anbringung einer Ehrentafel an Kamms Geburtshaus in Schorndorf

Literatur

Wilfried Braunn (Bearb.): Nachlaß Gottlob Kamm, Stuttgart 1976.

Günther Zollmann: Ehrenbürger Gottlob Kamm starb vor 10 Jahren, in: Heimatblätter. Jahrbuch für Schorndorf und Umgebung, 1, 1983, S. 141-144.

Weik 2003, S. 73.

Bertold Kamm, Wolfgang Mayer: Der Befreiungsminister. Gottlob Kamm und die Entnazifizierung in Württemberg-Baden, Tübingen 2005.

Michael Kitzing: Gottlob Kamm, in: Baden-Württembergische Biographien, 6, 2016, S. 225–229.

Ruth Kamm: Leben im Grenzgebiet. Meine Jugend in Oberschlesien, Norderstedt 2016, S. 95.