Dr. Guido Leser

Verfolgung
Mai 1933
Leser ist Richter am Landgericht Mannheim. Wegen seiner jüdischen Abstammung wird er im Mai 1933 aus diesem Amt entlassen. Die rechtliche Grundlage dafür bietet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
Juni 1933
Lesers Bruder Walter ist ebenfalls als Richter am Landgericht Mannheim tätig, im Juni 1933 wird auch er entlassen. Im Oktober 1940 wird Walter Leser in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Er überlebt den Zweiten Weltkrieg in der Schweiz.
1934
Lesers Sohn Conrad (geb. 30. März 1915) ist Mathematikstudent in Heidelberg. Er emigriert 1934 in die Schweiz und später nach Großbritannien.
September 1936
In der Hoffnung, in einer größeren Stadt sicher vor NS-Verfolgung zu sein, ziehen Leser und seine Ehefrau Irmgard im September 1936 nach Berlin.
26.10.1942
Um ihrer bevorstehenden Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt zu entgehen, verüben Leser und seine Ehefrau Irmgard am 26. Oktober 1942 mit Tabletten Selbstmord.
Biografie
Sohn des Heidelberger Wirtschaftsprofessors Emanuel Leser
1892
Gymnasium in Heidelberg
1902
Studium der Rechtswissenschaft in Heidelberg und Freiburg
1906
Erste juristische Staatsprüfung
1908
Promotion in Heidelberg
1910
Zweite juristische Staatsprüfung
1910
Gerichtsassessor
ab 1912
Stadtverordneter in Heidelberg
ab 1914
Mitglied der Kreisversammlung Heidelberg
November 1918
Eintritt in die DDP
1919
Richter in Mannheim und Heidelberg
1921
Richter am Landgericht Mannheim
September 1936
Übersiedelung nach Berlin
Rezeption
»Stolperstein« (Gedenkstein) vor dem Wohnhaus der Familie Leser in der Bergstraße 32 in Heidelberg
Literatur
Hugo Marx: Das Schicksal der im Jahre 1933 in Mannheim amtierenden jüdischen Richter, in: Mannheimer Hefte, 1961, S. 25.
Arno Weckbecker (Bearb.): Gedenkbuch an die ehemaligen Heidelberger Bürger jüdischer Herkunft. Dokumentation ihrer Namen und Schicksale 1933-1945, Heidelberg 1983, S. 106.
Arno Weckbecker: Die Judenverfolgung in Heidelberg 1933-1945, Heidelberg 1985, S. 138, 258.
Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918-1945, München 1988, S. 223.
Gerhard Keller: Jüdische Abgeordnete im badischen Landtag 1861-1933, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Heinz Schmitt, Ernst Otto Bräunche, Manfred Koch, Karlsruhe 1988, S. 433.
Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im »Dritten Reich«. Entrechtung und Verfolgung, München 1990, S. 230.
Schumacher 1995, S. 94.
Gerhard Kaller: Guido Leser, in: Badische Biographien, 4, 1996, S. 186.
Frank Moraw: Conrad Leser. Ein Weltbürger wider Willen, in: Kurfürst-Friedrich-Gymnasium Heidelberg Jahresberichte, 2000/2001, S. 99-102.