Hans (Adolf) Rueß

Verfolgung
Frühjahr 1933
Um einer Verhaftung durch die NS-Behörden zu entgehen, taucht Rueß im Frühjahr 1933 unter und schläft für kurze Zeit in der Wohnung eines Freundes in Esslingen-Sulzgrieß. Ende März 1933 wird Rueß von einem Kriminalbeamten verhaftet, der ihn auf der Straße erkannt hat. Nach seiner Verhaftung wird Rueß zunächst im ehemaligen Salemer Pfleghof in Esslingen inhaftiert. Anschließend wird er ins Konzentrationslager Heuberg gebracht. Am 20. Mai 1933 wird Rueß in das Garnisonsarresthaus in Ulm verlegt. Von Oktober bis Dezember 1933 ist Rueß erneut im Konzentrationslager Heuberg inhaftiert. Dann wird er in das Konzentrationslager Oberer Kuhberg in Ulm überstellt. Ab Juli 1935 befindet sich Rueß im Konzentrationslager Dachau. Dort wird er am 10. Dezember 1935 aus der Haft entlassen. Nach seiner Haftentlassung steht Rueß unter polizeilicher Aufsicht, er muss sich zweimal wöchtentlich bei den Behörden melden.
01.09.1939
Rueß wird am 1. September 1939 mit Beginn des Zweiten Weltkrieges verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Zunächst wird er in das Gefängnis Hohenasperg gebracht. Später wird Rueß in das Konzentrationslager Buchenwald überstellt. Dort wird er zeitweise in einem Steinbruchkommando eingesetzt. Im April 1945 gehört Rueß zu den Gefangenen, die noch vor der Befreiung des Lagers durch die US-Amerikaner Widerstand gegen die SS-Wachmannschaften leisten und Teile des Konzentrationslagers unter ihre Kontrolle bringen.
Biografie
Sohn eines Schlossers
1908
Volksschule
1915
Lehre als Flaschner und Installateur
1916
Eintritt in die Freie Deutsche Jugend
1918
Beteiligt am Aufbau der Freien Sozialistischen Jugend, ab 1919 deren erster Vorsitzender in Esslingen
Mitbegründer der Esslinger Ortsgruppe des Spartakusbunds
1921
Mithilfe beim Aufbau der Freien Sozialistischen Jugend in Südbayern
1922
Bezirksleiter des Kommunistischen Jugendverbands in Südbayern
Oktober 1923
Bei einer von Rueß organisierten Demonstration kommt es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Rueß wird daher zu sieben Monaten Haft verurteilt. Er ist in Landsburg am Lech und in Niederschönfeld inhaftiert. Nach seiner Haft wird Rueß aus Bayern ausgewiesen.
1925
Unterbezirksvorsitzender der KPD in Esslingen
1927
Besuch von Kursen an der KPD-Reichsparteischule in Hohenstein
1927
Landesvorstand der KPD für den Bezirk Württemberg
1929
Gemeinderat in Esslingen
1932
Redakteur der »Süddeutschen Arbeiterzeitung« in Stuttgart
1936
Tätigkeit als Flaschner in Esslingen
1945
Mitgründer des Gewerkschaftskartells in Esslingen
1946
Kreisvorsitzender der KPD
1946
Vorstandsmitglied im Gewerkschaftsbund Württemberg-Baden
1946
Gemeinderat in Esslingen
1959
Erneut Gemeinderat in Esslingen
Engagement in der Friedensbewegung und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)
1968
Beteiligt an der Gründung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP)
Rezeption
Es gab mehrfach Vorstöße, eine Straße in Esslingen nach Rueß zu benennen. Dies wurde jedoch 1998 und 2001 (anlässlich des 100. Geburtstags von Rueß) von der Esslinger Stadtverwaltung abgelehnt.
Literatur
Egon Zweigart: Hans Rueß, in: Von Weimar bis Bonn. Esslingen 1919-1949, hrsg. von Christian Glass, Esslingen 1991, S. 472-473.
Friedrich Pospiech (Hrsg.): Erinnern - gedenken - mahnen. Gemeinsam gegen rechts! Zum 25. Todestag von Hans Rueß, Esslingen 1999.
Schumacher 2000, S. 349.
Friedrich Pospiech: Unbelehrbar auf der Wahrheit Beharrende... Paula und Hans Rueß. Zwei Leben im Widerstand gegen Krieg und Faschismus, Bonn 2002.
Weik 2003, S. 120.
Kühnel 2009, S. 10, 18, 26, 67.
Michael Kitzing: Hans Adolf Rueß, in: Baden-Württembergische Biographien, 6, 2016, S. 421-424.