Dr. Joannes Baptista Sproll

Verfolgung
ab Oktober 1937
Sproll ist römisch-katholischer Bischof der Diözese Rottenburg. Er protestiert ab 1933 immer wieder gegen das nationalsozialistische Vorgehen gegen katholische Verbände. In seinen Predigten und bei Veranstaltungen kritisiert Sproll offen die nationalsozialistische Weltanschauung. Aufgrund der öffentlichen Äußerungen Sprolls leitet die Oberstaatsanwaltschaft beim Sondergericht Stuttgart im Oktober 1937 ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das »Heimtückegesetz« ein (Gesetz gegen heimtückische Angriffe auf Staat und Partei und zum Schutz der Parteiuniformen). Das Verfahren wird jedoch Anfang 1938 auf Weisung des Reichsjustizministeriums eingestellt.
10.04.1938
Am 10. April 1938 finden in ganz Deutschland die Volksabstimmung über den »Anschluss« Österreichs und zugleich die Wahl zum Reichstag statt. Sproll bleibt als einziger Bischof demonstrativ der Abstimmung fern. In der Folge kommt es am 11., 21. und 23. April sowie am 16., 18. und 23. Juli 1938 zu (von den NS-Behörden unterstützten bzw. inszenierten) Demonstrationen und Kundgebungen vor dem Bischöflichen Palais in Rottenburg, bei denen teilweise das Palais gestürmt und verwüstet wird. Zudem dringen das Reichskirchenministerium sowie der Reichsstatthalter für Württemberg-Hohenzollern beim Hl. Stuhl auf die Absetzung Sprolls. Sproll, der nach dem 10. April 1938 aufgrund des nationalsozialistischen Drucks und der Ausschreitungen Rottenburg immer wieder verlässt, wird am 24. August 1938 von den NS-Behörden aus Württemberg-Hohenzollern (und folglich aus seiner Diözese) ausgewiesen und von der Gestapo nach Freiburg gebracht. Von dort flüchtet er über Augsburg, Bad Wörishofen und München in das Benediktinerkloster St. Ottilien. Nach einem Krankenhausaufenthalt in München 1940/41 begibt sich der von Multipler Sklerose gezeichnete Sproll schließlich im Januar 1941 zu den Ursberger St. Josefsschwestern in das Heilbad Krumbad, wo er bis Juni 1945 bleibt.
Biografie
Sohn eines Straßenwärters
Besuch der Lateinschule in Biberach
Konvikt und Gymnasium in Ehingen (Donau)
1890
Studium der Geschichte und Theologie an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Mitglied der katholischen Studentenverbindung KStV Alamannia Tübingen
1894
Priesterseminar in Rottenburg am Neckar
16.07.1895
Priesterweihe in Rottenburg am Neckar
1895
Vikar in Hofs bei Leutkirch
Juli 1897
Vikar in Oberndorf am Neckar
Oktober 1897
Kaplaneiverweser in Wiesensteig
1897
Repetent im Wilhelmsstift Tübingen
1898
Promotion zum Dr. phil. mit einer Arbeit über die Rechts- und Verfassungsgeschichte des Tübinger Stifts St. Georgen
03.12.1900
Subregens im Priesterseminar in Rottenburg am Neckar
1909
Pfarrer in Kirchen (Oberamt Ehingen)
1912
Mitglied der württembergischen Landstände
Juli 1912
Domkapitular
Oktober 1913
Generalvikar
1916
Weihbischof der Diözese Rottenburg am Neckar
ab 1927
Bischof der Diözese Rottenburg
24.08.1938
Ausweisung aus Württemberg-Hohenzollern
13.09.1938
Aufenthalt in St. Ottilien
1941
Aufenthalt in Krumbad
Juni 1945
Rückkehr als Bischof nach Rottenburg am Neckar
Rezeption
ab 1914
Ordentliches Mitglied der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte
1983
Gedenktafel am bischöflichen Palais in Rottenburg
Namenspatron der Sprollstraße in Rottenburg am Neckar
Namenspatron der Joannes-Baptista-Sproll-Straße in Ehingen (Donau)
Namenspatron des Bischof-Sproll-Bildungszentrums in Biberach-Rißegg
2011
Eröffnung eines Verfahrens zur Seligsprechung
Literatur
Emil Kaim: Der Bischof ist wieder da. Verbannung und Heimkehr des Bischofs von Rottenburg Dr. Joannes Baptista Sproll, Rottenburg 1945.
Paul Kopf (Hrsg.): Die Vertreibung von Bischof Joannes Baptista Sproll von Rottenburg 1938-1945. Dokumente zur Geschichte des kirchlichen Widerstands, Mainz 1971.
Paul Kopf: Joannes Baptista Sproll. Bischof von Rottenburg 1870-1949, in: Lebensbilder aus Schwaben und Franken, 13, 1977, S. 442-469.
Paul Kopf: Joannes Baptista Sproll. Leben und Wirken, Sigmaringen 1988.
Dieter R. Bauer (Hrsg.): Gelegen oder ungelegen. Zeugnis für die Wahrheit. Zur Vertreibung des Rottenburger Bischofs Joannes Baptista Sproll im Sommer 1938, Stuttgart 1989.
Detlef Grothmann: Joannes Baptista Sproll, in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, hrsg. von Friedrich Wilhelm Bautz, Traugott Bautz, 10, Herzberg 1995, S. 1078-1079.
Raberg 2001, S. 882.
Weik 2003, S. 321.
Carmen Eberhart: Eine unvollständige Rottenburger Chronik zum »Dritten Reich«, in: Rottenburg im Nationalsozialismus. Von der Machtergreifung zum Kriegsbeginn 1933-1939, Der Sülchgau, 52/53, 2008/2009, S. 13-27.
Geschichtsverein der Diözese Rottenburg-Stuttgart (Hrsg.): Um seines Gewissens willen. Bischof Joannes Baptista Sproll zum 60. Todestag, Stuttgart 2010.
Stefan Jordan: Joannes Baptista Sproll, in: Neue Deutsche Biographie, 24, Berlin 2010, S. 767-770.
Sigrid Brüggemann: Die Verfolgung katholischer und evangelischer Geistlicher, in: Die Geheime Staatspolizei in Württemberg und Hohenzollern, hrsg. von Ingrid Bauz, Sigrid Brüggemann, Roland Maier, Stuttgart 2013, S. 232-236.
Dominik Burkhard: Joannes Baptista Sproll. Bischof im Widerstand, Stuttgart 2013.