Dr. Johann (Georg) Koenigsberger

Parlament

1919
Verfassunggebende Landesversammlung der Republik Baden (SPD, Wahlkreis 2 Freiburg)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 -
Geburt 07.05.1874, Heidelberg
Erste Ehe
Emilie geb. Heckmann (1909)
Zweite Ehe
Magdalene geb. Müller (1925)
Beruf Professor für mathematische Physik
Kinder 1
Konfession Evangelisch
Verstorben 03.12.1946, Freiburg im Breisgau

Verfolgung

April 1933
Koenigsberger ist Physik-Professor an der Universität Freiburg. Aufgrund seiner Abstammung gilt er bei den NS-Behörden als jüdisch. Daher droht ihm im April 1933 die Entlassung. Weil er ehemaliger Frontkämpfer des Ersten Weltkrieges ist, kann Koenigsberger zunächst im Amt bleiben, er wird jedoch von seiner Lehrtätigkeit suspendiert. Im Juni 1935 beantragt Koenigsberger seine Entpflichtung als Professor in der Hoffnung, anderswo seine Forschungen fortsetzen zu können. Die Entpflichtung wird zunächst für den Februar 1936 bewilligt. Im März 1936 wird Koenigsbergers Entpflichtung jedoch aufgehoben. Er wird stattdessen auf Grundlage der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 in den Ruhestand versetzt.

1934
Koenigsbergers Tochter aus der ersten Ehe, Margaret Koenigsberger, emigriert 1934 nach London.

1938
Koenigsberger wird 1938 die private Nutzung der Freiburger Universitätsbibliothek sowie anderer Hochschulinstitutionen untersagt. Zudem wird ihm durch die NS-Behörden verboten, zu wissenschaftlichen Kongressen zu reisen. Im Oktober 1939 wird ihm schließlich jede wissenschaftliche Tätigkeit untersagt.

November 1939
Koenigsbergers Ruhegeld wird im November 1939 durch die NS-Behörden gekürzt.

22.06.1941
Koenigsberger bittet am 22. Juni 1941 die NS-Behörden schriftlich um die Möglichkeit, »einige Stunden am Tage als Geophysiker bei einem größeren oder kleineren Unternehmen mitzuhelfen oder auch falls möglich in einer mechanischen Werkstatt.« Die Bitte wird abgelehnt.

Biografie

Sohn des Mathematikers Leo Koenigsberger (1837-1921)

1884
Gymnasium in Heidelberg

1892
Studium der Naturwissenschaften und Mathematik in Heidelberg, Berlin und Freiburg im Breisgau

1897
Promotion in Berlin und Assistent am Physikalischen Institut Freiburg

1900
Habilitation in Freiburg

1904
Planmäßiger außerordentlicher Professor für mathematische Physik an der Universität Freiburg

1906
Teilnahme am Internationalen Geologen-Kongress in Mexiko

1909
Koenigsberger erhält einen Ruf an das Geophysical Laboratory der Carnegie Institution in Washington und lehnt ab.

1910
Teilnahme am Internationalen Geologen-Kongress in Stockholm

August 1914
Freiwilliger Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem bei der Infanterie, als Ballonführer und bei der Radfahr-Kompanie Neu Breisach, im Dezember 1914 ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse, im Februar 1916 ausgemustert wegen eines Gehörschadens

1916
Tätigkeit in der Kriegsforschung

1918
Mitglied der SPD

1921
Koenigsberger erhält einen Ruf auf den Lehrstuhl für Mineralogie und Petrografie an der Universität Wien und lehnt ab.

Literatur

Joachim Schroeter: Johann Georg Koenigsberger, in: Schweizerische Mineralogische und Petrographische Mitteilungen 27, 1947, 236-246.

Hugo Ott: Martin Heidegger. Unterwegs zu seiner Biographie, Frankfurt 1992, S. 213.

Weik 2003, S. 297.

Volker R. Remmert: Johann Georg Koenigsberger, in: Badische Biographien, 5, 2005, S. 149-150.

Bernd Grün: Der Rektor als Führer? Die Universität Freiburg i. Br. von 1933 bis 1945, Freiburg im Breisgau 2010, S. 507.