Johann Steiner

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Parlament

1925
Landtag der Republik Baden (KPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Unbekannt
Geburt 08.05.1892, Mannheim
Ehe Frieda geb. Wechlin (1921)
Beruf Kaufmann, Verleger, Amtsleiter
Kinder Kinderlos
Konfession Evangelisch, ab 1920 konfessionslos
Verstorben 22.12.1973, Coburg

Verfolgung

März 1933
Steiner ist Geschäftsführer und Verleger der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim. Im März 1933 wird die Zeitung von den NS-Behörden verboten. Steiner verliert im Zuge dessen seine Arbeitsstelle.

März 1933
Im März 1933 durchsuchen die SA und einige Zivilpersonen (vermutlich Gestapo-Mitarbeiter) Steiners Wohnung in Mannheim und beschlagnahmen rund 200 seiner Bücher. Steiner taucht daraufhin unter und lebt fortan illegal im Untergrund. Er ist im kommunistischen Widerstand aktiv und schmuggelt illegale Schriften aus Frankreich nach Deutschland. Im Juli 1933 wird er bei Mothern (Elsass) von den französischen Behörden beim Schmuggel illegaler Literatur gefasst. Er wird in Haft genommen und in Straßburg wegen Passvergehens zu 15 Tagen Haft mit anschließender Ausweisung aus Frankreich verurteilt.

Februar 1934
Um Steiners Aufenthaltsort zu erfahren, verhören die NS-Behörden in der Folgezeit immer wieder Steiners Ehefrau Frieda (geb. Wechlin). Im Februar 1934 wird sie in diesem Zusammenhang verhaftet und für sechs Wochen in »Schutzhaft« genommen.

Dezember 1934
Steiner emigriert am 11. Dezember 1934 illegal nach Basel. Dort arbeitet er im gewerkschaftlichen Widerstand gegen das NS-Regime.

Biografie

1898
Volksschule in Mannheim

1906
Ausbildung und Tätigkeit als Kaufmann

1922
Gründung und Betrieb der GmbH Markenzentrale Ost (Vertrieb russischer Marken)

1923
Als KPD-Kampfleiter für Oberbaden Beteiligung am »Oberbadischen Aufstand« (Aufstände, die in Lörrach und anderen badischen Orten angesichts der Wirtschaftskrise ausbrachen)

22.11.1923
Untersuchungshaft und am 2. Dezember 1924 vom Staatsgerichtshof Leipzig wegen Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffvergehens zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, bis 16. Juli 1928 Inhaftierung im Zuchthaus Bruchsal (vorzeitige Entlassung im Rahmen einer Amnestie)

vor 1924
Vorstandsmitglied der Südwestdeutschen Druckereigenossenschaft in Mannheim (Verlag der Mannheimer »Arbeiter-Zeitung«)

1930
Geschäftsführer des Verlags der »Arbeiter-Zeitung« in Mannheim

16.09.1935
Emigration nach Basel, dort Tätigkeit im gewerkschaftlichen Widerstand

Oktober 1936
Teilnahme im Spanischen Bürgerkrieg aufseiten der republikanischen Armee (XIII. Internationale Brigade)

16.06.1938
Illegaler Aufenthalt in Paris anlässlich eines »Erholungsurlaubs« vom spanischen Bürgerkrieg, am 16. Juni 1938 Verhaftung durch die französischen Behörden und Verurteilung zu einem Monat Haft wegen Passvergehens, nach der Haftentlassung am 31. Juli 1938 Ausweisung aus Frankreich

01.12.1943
Verhaftung durch die schweizerischen Behörden und Untersuchungshaft in Basel, im Januar 1944 Einleitung eines Verfahrens wegen illegaler Parteiarbeit (»kommunistische Umtriebe«), Einstellung des Verfahrens im Februar 1944, ab 17. Februar 1944 Internierung wegen Bannbruchs (Schmuggel): ab 25. Februar 1944 im Zuchthaus Thorberg, ab 24. Mai 1944 im Arbeitslager Bassecourt und ab 21. August 1944 im Arbeitslager Olsberg (Kanton Aargau)

Juni 1945
Rückkehr nach Mannheim

1945
Angestellter bei der Stadt Mannheim

März 1946
Amtsvorstand des Wohnungsamtes in Mannheim

Literatur

Amtsblatt Mannheim, Nr. 22, 13. Juni 1958.

Weik 2003, S. 302.

Braun 2009, S. 188, 414, 430, 628.

Dokumente

Eidesstattliche Erklärung von Margaretha Steiner

Margaretha Steiner bestätigte 1956 in einer eidesstattlichen Erklärung, dass sich ihr untergetauchter Bruder Johann Steiner in den Jahren 1933/34 bei ihr versteckt hielt. Anlass der Erklärung war Johann Steiners Wiedergutmachungsverfahren.