Josef Andre

Verfolgung
01.07.1933
Andre ist Präsident der württembergischen Landesversicherungsanstalt. Am 1. Juli 1933 wird er aus politischen Gründen aus diesem Amt entlassen. Als rechtliche Grundlage der Entlassung dient das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
26.07.1944
Andre wird (aufgrund des missglückten Attentats auf Adolf Hitler vom 20. Juli 1944) am 26. Juli 1944 in Schramberg verhaftet und im Gefängnis in der Stuttgarter Hospitalstraße in »Schutzhaft« genommen. Nach der Zerstörung des Gefängnisses wird Andre für ca. acht Tage in einen Tiefbunker am Stuttgarter Schlossplatz gebracht. Anschließend wird er in das Konzentrationslager Welzheim und danach in das Arbeitslager Aistaig bei Oberndorf am Neckar überstellt. Am 31. Oktober 1944 wird Andre aus der Haft entlassen.
Biografie
1885
Volksschule in Schramberg
Schreinerlehre in Schramberg
1898
Tätigkeit als Möbelschreiner in Stuttgart
1903
Eintritt in den Christlichen Holzarbeiterverband
1904
Arbeitersekretär beim württembergischen Landesverband katholischer Arbeiter- und Arbeiterinnenvereine in Stuttgart
1907
Mitglied der württembergischen Landstände
Mai 1916
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg im Rekrutendepot Urach
Juni 1926
Regierungsrat beim württembergischen Landesgewerbeamt in Stuttgart
Umfangreiche publizistische Tätigkeit, darunter partei- und sozialpolitische Broschüren, außerdem Herausgeber der »Württembergischen Zentrumskorrespondenz« sowie der »Schwäbischen Arbeiterzeitung«
Juli 1928
Präsident der württembergischen Landesversicherungsanstalt
September 1934
Rechtsberater des Caritasverbands Württemberg
September 1945
Mitbegründer der Christlich-Sozialen Volkspartei (CSVP) Nordwürttemberg (ab Januar 1946 CDU), später Landesvorsitzender der CDU Nordwürttemberg
September 1945
Staatsminister im württemberg-badischen Ministerium für Wirtschaft
Juni 1946
Minister zur besonderen Verwendung in Württemberg-Baden
1947
Ruhestand
Rezeption
Namenspatron der Josef-Andre-Straße in Schramberg
Literatur
Schumacher 1991, S. 26.
Franz Fehrenbacher: Josef Andre (1879-1950). Ein Schramberger in höchsten Staats- und Parteiämtern, in: D’ Kräz. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg, 12, 1992, S. 45-55.
Haunfelder 1999, S. 293.
Raberg 2001, S. 11-14.
Weik 2003, S. 14.
Jörg Leist: Erinnerungen an die Verhaftung meines Großvaters Josef Andre, in: D' Kräz. Beiträge zur Geschichte der Stadt und Raumschaft Schramberg, 30, 2010, S. 30-32.
Frank Engehausen: Josef Andre, in: Württembergische Biographien, 2, 2011, S. 3-6.
Dokumente
Eidestattliche Erklärung von Hilde Rodewald
Im Rahmen des Wiedergutmachungsverfahrens von Josef Andre gab seine Tochter Hilde Rodewald 1950 eine eidesstattliche Erklärung ab. In dieser berichtet sie von der Verhaftung ihres Vaters am 26. Juli 1944 und von den Schwierigkeiten der Familie, ihn in der Haft zu besuchen.