Josef Ersing

Verfolgung
Juni 1933
Ersing ist Sekretär des Christlichen Holzarbeiterverbands in Karlsruhe. Im Juni 1933 wird er im Zuge der Gleichschaltung der Gewerkschaften entlassen.
Ende Juni 1933
Ersing wird Ende Juni 1933 ca. vier Tage in »Schutzhaft« genommen.
05.10.1944
Ersing unterhält Kontakte zur Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler. Am 5. Oktober 1944 wird er deshalb verhaftet und in das Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin gebracht. Am 19. Oktober 1944 wird Ersing in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt, wo er kurz mit dem ebenfalls inhaftierten Eugen Bolz zusammentrifft. Am 9. Januar 1945 wird Ersing zurück nach Berlin gebracht. Im Januar 1945 erhebt der Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat Anklage gegen Ersing. Die Akten des Verfahrens werden jedoch bei einem Bombenangriff vernichtet, weshalb ein neuer Prozess eingeleitet wird. Bevor ein Urteil gefällt werden kann, wird Ersing infolge des Vorrückens der Roten Armee am 25. April 1945 aus dem Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin befreit.
Biografie
1889
Volksschule in Ochsenhausen
1896
Lehre als Schreiner
Eintritt in den Gesellenverein Kolping in Ochsenhausen
1899
Wanderschaft als Schreinergeselle, unter anderem in Köln und München
1902
Militärdienst beim 8. Bayerischen Infanterieregiment in Metz
1906
Bezirksleiter des Christlichen Holzarbeiterverbands, zunächst in Mannheim, dann in Frankfurt, zuständig für Rheinland-Pfalz und Hessen
1911
Sekretär des Christlichen Holzarbeiterverbands in Karlsruhe, zuständig für Südwestdeutschland und die Pfalz
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Verdun
1918
Dienst im Badischen Ministerium für soziale Angelegenheiten, zunächst als Beirat, ab 1919 als Hilfsreferent und ab 1920 als Regierungsrat
1933
Übersiedelung nach Stuttgart
In der NS-Zeit regelmäßige Treffen mit NS-kritischen Gewerkschaftern und ehemaligen Zentrumspolitkern wie Eugen Bolz, Josef Andre, Josef Beyerle, später Zusammenarbeit mit der Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler (1942 mehrere Besprechungen im Haus seines Neffen, des Fabrikanten Max Ersing)
Mitbegründer der CDU in Württemberg-Baden
1956
Nach dem Tod der Ehefrau Übersiedelung nach Rottenmünster
Rezeption
1952
Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
Namenspatron der Joseph-Ersing-Straße in Ochsenhausen
Literatur
Rudolf Reinhardt: Joseph Ersing, in: Badische Biographien, 2, 1987, S. 82-84.
Schumacher 1991, S. 204-206.
Klaus Eisele: Die »Aktion Goerdeler«. Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im deutschen Südwesten. Biographische Skizzen, in: 20. Juli 1944 in Baden und Württemberg, hrsg. von Rudolf Lill, Michael Kißener, Konstanz 1994, S. 169-171.
Weik 2003, S. 42.
Frank Raberg: Josef Ersing. Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, in: Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union, hrsg. von Günter Buchstab, Brigitte Kaff, Hans-Otto Kleinmann, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien 2004, S. 164-171.
Dokumente
Meldebogen zur Entnazifizierung
Im Rahmen der nach 1945 durchgeführten Entnazifizierung musste Ersing - wie jede und jeder Deutsche über 18 Jahren - in einem Meldebogen seine eventuelle Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und seine Aktivitäten in der NS-Zeit darlegen. Ziel dieser Maßnahme war es, NS-Täter und belastete Personen zu finden, aus öffentlichen Ämtern und Behörden zu entfernen und gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.