Josef Ersing

Parlament

1919
Deutsche Nationalversammlung (Zentrumspartei, Wahlkreis 33 Baden)

1920
Reichstag (Zentrumspartei, Wahlkreis 35 Baden, ab 1924 Wahlkreis 32 Baden)

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der CDU)

1946
Verfassunggebende Landesversammlung Württemberg-Baden (CDU, Landesliste)

1946
Landtag Württemberg-Baden (CDU, Landesliste)

Partei vor 1933 Deutsche Zentrumspartei

nach 1945 -
Geburt 04.02.1882, Ochsenhausen
Ehe Susanne geb. Kompost (1908)
Beruf Schreiner, Gewerkschaftsfunktionär, Regierungsrat
Kinder Kinderlos
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 05.08.1956, Rottweil

Verfolgung

Juni 1933
Ersing ist Sekretär des Christlichen Holzarbeiterverbands in Karlsruhe. Im Juni 1933 wird er im Zuge der Gleichschaltung der Gewerkschaften entlassen.

Ende Juni 1933
Ersing wird Ende Juni 1933 ca. vier Tage in »Schutzhaft« genommen.

05.10.1944
Ersing unterhält Kontakte zur Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler. Am 5. Oktober 1944 wird er deshalb verhaftet und in das Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin gebracht. Am 19. Oktober 1944 wird Ersing in das Konzentrationslager Ravensbrück überstellt, wo er kurz mit dem ebenfalls inhaftierten Eugen Bolz zusammentrifft. Am 9. Januar 1945 wird Ersing zurück nach Berlin gebracht. Im Januar 1945 erhebt der Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat Anklage gegen Ersing. Die Akten des Verfahrens werden jedoch bei einem Bombenangriff vernichtet, weshalb ein neuer Prozess eingeleitet wird. Bevor ein Urteil gefällt werden kann, wird Ersing infolge des Vorrückens der Roten Armee am 25. April 1945 aus dem Gefängnis in der Lehrter Straße in Berlin befreit.

Biografie

1889
Volksschule in Ochsenhausen

1896
Lehre als Schreiner

Eintritt in den Gesellenverein Kolping in Ochsenhausen

1899
Wanderschaft als Schreinergeselle, unter anderem in Köln und München

1902
Militärdienst beim 8. Bayerischen Infanterieregiment in Metz

1906
Bezirksleiter des Christlichen Holzarbeiterverbands, zunächst in Mannheim, dann in Frankfurt, zuständig für Rheinland-Pfalz und Hessen

1911
Sekretär des Christlichen Holzarbeiterverbands in Karlsruhe, zuständig für Südwestdeutschland und die Pfalz

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Verdun

1918
Dienst im Badischen Ministerium für soziale Angelegenheiten, zunächst als Beirat, ab 1919 als Hilfsreferent und ab 1920 als Regierungsrat

1933
Übersiedelung nach Stuttgart

In der NS-Zeit regelmäßige Treffen mit NS-kritischen Gewerkschaftern und ehemaligen Zentrumspolitkern wie Eugen Bolz, Josef Andre, Josef Beyerle, später Zusammenarbeit mit der Widerstandsgruppe um Carl Friedrich Goerdeler (1942 mehrere Besprechungen im Haus seines Neffen, des Fabrikanten Max Ersing)

Mitbegründer der CDU in Württemberg-Baden

1956
Nach dem Tod der Ehefrau Übersiedelung nach Rottenmünster

Rezeption

1952
Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

Namenspatron der Joseph-Ersing-Straße in Ochsenhausen

Literatur

Rudolf Reinhardt: Joseph Ersing, in: Badische Biographien, 2, 1987, S. 82-84.

Schumacher 1991, S. 204-206.

Klaus Eisele: Die »Aktion Goerdeler«. Mitverschwörer des 20. Juli 1944 im deutschen Südwesten. Biographische Skizzen, in: 20. Juli 1944 in Baden und Württemberg, hrsg. von Rudolf Lill, Michael Kißener, Konstanz 1994, S. 169-171.

Weik 2003, S. 42.

Frank Raberg: Josef Ersing. Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg, in: Christliche Demokraten gegen Hitler. Aus Verfolgung und Widerstand zur Union, hrsg. von Günter Buchstab, Brigitte Kaff, Hans-Otto Kleinmann, Freiburg im Breisgau, Basel, Wien 2004, S. 164-171.

Dokumente

Meldebogen zur Entnazifizierung

Im Rahmen der nach 1945 durchgeführten Entnazifizierung musste Ersing - wie jede und jeder Deutsche über 18 Jahren - in einem Meldebogen seine eventuelle Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und seine Aktivitäten in der NS-Zeit darlegen. Ziel dieser Maßnahme war es, NS-Täter und belastete Personen zu finden, aus öffentlichen Ämtern und Behörden zu entfernen und gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.