Josef Schlaffer

Parlament

1930
Reichstag (KPD, Wahlkreis 31 Württemberg, ab 1932 Reichswahlvorschlag)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands (USPD)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED)
Geburt 27.03.1891, Kallmünz
Ehe Maria geb. Eichhammer (1917)
Beruf Schlosser, Parteifunktionär
Kinder 2
Konfession Konfessionslos
Verstorben 26.04.1964, Berlin (BRD)

Verfolgung

Anfang 1933
Um einer Verhaftung zu entgehen, taucht Schlaffer Anfang 1933 in Berlin unter und verwendet die falschen Namen »Kurt Hagert« und »Oswald Jaeschke«. Die NS-Behörden erlassen währenddessen einen Haftbefehl gegen Schlaffer. Dieser lebt eine Zeit lang mit dem KPD-Funktionär Hermann Remmele in einer Berliner Hinterhauswohnung. Unterstützung erhält Schlaffer von seinem Bruder Anton, der in Berlin-Neukölln eine Bäckerei und Konditorei betreibt. Um seinen Lebensunterhalt zu sichern, betreibt Schlaffer - unter falschem Namen und recht erfolgreich - einen Backpulver-Großhandel. Außerdem versucht Schlaffer vergeblich, wieder Kontakt zur illegalen KPD aufzunehmen.

Mai 1935
Bei einem Besuch in seiner früheren Wohnung wird Schlaffer im Mai 1935 von der Gestapo verhaftet und im Berliner Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in »Schutzhaft« genommen. Im August 1935 wird er aus der Haft entlassen.

November 1935
Im November 1935 wird Schlaffer verhaftet und erneut im Berliner Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße in »Schutzhaft« genommen. Im Dezember 1935 wird er aus der Haft entlassen.

Mai 1937
Schlaffer wird im Mai 1937 verhaftet und im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Im August 1937 wird er aus der Haft entlassen.

22.02.1940
Schlaffer wird am 22. Februar 1940 verhaftet und wegen »unzulässiger Handelei« im Gefängnis Berlin-Plötzensee inhaftiert. Am 22. März 1940 wird er aus der Haft entlassen.

August 1944
Schlaffer wird im August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« in »Schutzhaft« genommen und nach zwei Tagen wieder entlassen.

Biografie

Lehre als Schlosser

Wanderschaft als Schlossergeselle

1911
Als Heizer zur Marine eingezogen

1912
Eintritt in die SPD

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg als U-Boot-Matrose

1918
Mitglied des Soldatenrats in Brunsbüttelkoog

Übersiedelung nach München, dort Betriebsratsvorsitzender bei der Reichsbahn

Eintritt in die USPD

1920
Eintritt in die KPD

1921
Schlaffer ist an den Vorbereitungen für die Märzaktion der KPD (Arbeiterrevolte) beteiligt. Er wird deshalb zu drei Jahren Haft verurteilt und in Niederschönfeld und Landsberg am Lech inhaftiert. 1924 wird Schlaffer vorzeitig aus der Haft entlassen.

1924
Mitglied des Bayerischen Landtags

Politischer Leiter der KPD für Nord- und Südbayern

August 1924
Schlaffer wird wegen seiner Aktivität in der KPD zu drei Monaten Gefängnis verurteilt.

1925
Mitglied des Zentralkomitees der KPD

1925
Vorübergehend politischer Leiter des KPD-Bezirks Halle-Merseburg

Januar 1926
Schlaffer wird vom bayerischen Staatsgerichtshof wegen Weiterführung der illegalen KPD in Bayern zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Er taucht daraufhin unter und geht als KPD-Vertreter zur Komintern nach Moskau.

Ende 1926
Rückkehr nach Deutschland und politischer Leiter der KPD im Saargebiet

August 1927
Schlaffer wird im Saargebiet verhaftet und ins Deutsche Reich abgeschoben. Dort wird er erneut in Haft genommen, er kommt aber 1928 im Zuge einer politischen Amnestie frei.

1929
Politischer Leiter der KPD in Württemberg

Schlaffer ist im Rheinland politisch aktiv. Anschließend ist er in Berlin Leiter des Kampfbunds gegen den Faschismus.

1943
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg in der Wehrmacht

1945
Sowjetische Kriegsgefangenschaft in Küstrin (Kostrzyn nad Odr?)

September 1945
Schlaffer wird von der sowjetischen Militärverwaltung mit dem Aufbau einer Zentralverwaltung für die Umsiedelung der Deutschen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten beauftragt.

Technischer Direktor des Industrieverbandes Eisen und Metall des Landes Brandenburg in Potsdam

1948
Direktor der Hüttenwerke Henningsdorf

24.08.1948
Schlaffer wird am 24. August 1948 wegen angeblicher Spitzeltätigkeit vom sowjetischen Geheimdienst verhaftet und zwei Monate festgesetzt. Anschließend wird er als »Gestapoagent« den westdeutschen Behörden übergeben.

14.03.1949
Ausschluss aus der SED

Schlaffer führt ein zurückgezogenes Leben in Westberlin.

1956
Schlaffer wird von der zentralen Parteikontrollkommission der SED rehabilitiert.

Literatur

Hartmut Mehringer: Die KPD in Bayern 1919-1945. Vorgeschichte, Verfolgung und Widerstand, in: Bayern in der NS-Zeit. Die Parteien KPD, SPD, BVP in Verfolgung und Widerstand, hrsg. von Martin Broszat, Hartmut Mehringer, 5, München, Wien 1983, S. 23.

Schumacher 1991, S. 491.

Schumacher 1995, S. 138.

Weber Herbst 2008, S. 787-789.

Kurt Schilde: Flucht über die Balkonmauer. Politische Biographie des Kommunisten Josef Schlaffer, in: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung, 2008, S. 310–318.

Markus Baumgartner, Kurt Schilde: Josef Schlaffer (1891-1964). Deutscher Eisenbahner-Verband, in: Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen, hrsg. von Siegfried Mielke, 4, Berlin 2013, S. 648-659.