Dr. Leo Kullmann

Parlament

1921
Landtag der Republik Baden (SPD, Landesliste)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 -
Geburt 01.11.1877, Cottage-Grove
Ehe Alice geb. Katz (1910)
Beruf Rechtsanwalt, Richter
Kinder 1
Konfession Jüdisch, später konfessionslos
Verstorben 20.01.1941, Internierungslager Gurs

Verfolgung

18.04.1933
Kullmann ist Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wird er am 18. April 1933 entlassen. Die rechtliche Grundlage dafür bietet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.

14.10.1935
Um mit seiner Familie Deutschland zu verlassen, beantragt Kullmann am 14. Oktober 1935 die Ausstellung von Reisepässen. Der Antrag wird von den NS-Behörden abgelehnt. Auch ein zweiter Antrag auf die Ausstellung von Reisepässen, den Kullmann 1937 stellt, bleibt erfolglos.

22.10.1940
Im Zuge der Deportation der Karlsruher Juden wird Kullmann mit seiner Ehefrau Alice (geb. Katz) und seiner Tochter Gertrud am 22. Oktober 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Leo Kullmann verstirbt am 20. Januar 1941 in Gurs. Alice und Gertrud Kullmann werden am 10. August 1942 aus Gurs über Paris-Drancy nach Osten deportiert und schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Dort werden beide ermordet.

Biografie

Übersiedelung mit den Eltern aus den USA nach Deutschland

Städtisches Gymnasium in Frankfurt am Main

1896
Studium der Rechtswissenschaften in München, Heidelberg und Berlin

Rechtspraktikant am Amtsgericht und am Landgericht Karlsruhe

1899
Erste juristische Staatsprüfung

1900
Promotion an der Universität Heidelberg

1903
Zweite juristische Staatsprüfung und Niederlassung als selbstständiger Rechtsanwalt in Karlsruhe

1905
Eintritt in die SPD

1911
Stadtverordneter in Karlsruhe

1919
Stadtrat in Karlsruhe

März 1923
Ernennung zum Amtsrichter am Amtsgericht Karlsruhe

Juni 1923
Ernennung zum Landgerichtsrat am Landgericht Karlsruhe

Januar 1930
Abordnung als Hilfsrichter an das Oberlandesgericht Karlsruhe

April 1930
Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe

Literatur

Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Karlsruhe 1988, S. 51, 405, 460.

Heinz Schmitt (Hrsg.): Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, Karlsruhe 1990, S. 182, 433.

Koch 2001, S. 68-69.

Weik 2003, S. 298.

Detlev Fischer: Rechtshistorische Rundgänge durch Karlsruhe. Residenz des Rechts, Karlsruhe 2005, S. 54.