Dr. Leo Kullmann

Verfolgung
18.04.1933
Kullmann ist Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wird er am 18. April 1933 entlassen. Die rechtliche Grundlage dafür bietet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
14.10.1935
Um mit seiner Familie Deutschland zu verlassen, beantragt Kullmann am 14. Oktober 1935 die Ausstellung von Reisepässen. Der Antrag wird von den NS-Behörden abgelehnt. Auch ein zweiter Antrag auf die Ausstellung von Reisepässen, den Kullmann 1937 stellt, bleibt erfolglos.
22.10.1940
Im Zuge der Deportation der Karlsruher Juden wird Kullmann mit seiner Ehefrau Alice (geb. Katz) und seiner Tochter Gertrud am 22. Oktober 1940 in das Konzentrationslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Leo Kullmann verstirbt am 20. Januar 1941 in Gurs. Alice und Gertrud Kullmann werden am 10. August 1942 aus Gurs über Paris-Drancy nach Osten deportiert und schließlich in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht. Dort werden beide ermordet.
Biografie
Übersiedelung mit den Eltern aus den USA nach Deutschland
Städtisches Gymnasium in Frankfurt am Main
1896
Studium der Rechtswissenschaften in München, Heidelberg und Berlin
Rechtspraktikant am Amtsgericht und am Landgericht Karlsruhe
1899
Erste juristische Staatsprüfung
1900
Promotion an der Universität Heidelberg
1903
Zweite juristische Staatsprüfung und Niederlassung als selbstständiger Rechtsanwalt in Karlsruhe
1905
Eintritt in die SPD
1911
Stadtverordneter in Karlsruhe
1919
Stadtrat in Karlsruhe
März 1923
Ernennung zum Amtsrichter am Amtsgericht Karlsruhe
Juni 1923
Ernennung zum Landgerichtsrat am Landgericht Karlsruhe
Januar 1930
Abordnung als Hilfsrichter an das Oberlandesgericht Karlsruhe
April 1930
Ernennung zum Richter am Oberlandesgericht Karlsruhe
Literatur
Josef Werner: Hakenkreuz und Judenstern. Das Schicksal der Karlsruher Juden im Dritten Reich, Karlsruhe 1988, S. 51, 405, 460.
Heinz Schmitt (Hrsg.): Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, Karlsruhe 1990, S. 182, 433.
Koch 2001, S. 68-69.
Weik 2003, S. 298.
Detlev Fischer: Rechtshistorische Rundgänge durch Karlsruhe. Residenz des Rechts, Karlsruhe 2005, S. 54.