Leopold Neumann

Verfolgung
Sommer 1938
Die Familie Neumann betreibt die Eisengroßhandlung »L. J. Ettlinger« in Karlsruhe (56 Beschäftigte im April 1938). Weil die Familie jüdisch ist, wird das Unternehmen im Sommer 1938 »arisiert«. Die NS-Behörden gestatten es Leopold Neumann jedoch, die Exportabteilung des Unternehmens noch bis 1940 weiterzuführen, weil diese eine wichtige Devisenquelle darstellt.
1933
Neumanns Sohn Konrad (geb. 21. Juli 1904) studiert Rechtswissenschaften in Heidelberg und Berlin. Er strebt eine berufliche Tätigkeit im Staatsdienst an, kann aber aufgrund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums die zweite juristische Staatsprüfung nicht mehr ablegen. 1938 beantragt er seine Auswanderung nach Australien. Am 10. November 1938 nach der »Reichspogromnacht« wird Konrad Neumann verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau verbracht. Dort wird er am 20. November 1938 aufgrund der geplanten Emigration entlassen. Anschließend emigriert er über England nach Australien.
nach 1933
Neumanns Tochter Martha Theresa (geb. 4. Juli 1902) emigriert nach London.
22.10.1940
Neumann wird am 22. Oktober 1940 zusammen mit seiner Ehefrau Klara (geb. Kahn) in das Internierungslager Gurs in Südfrankreich deportiert. Dort verstirbt Klara am 9. November 1944. Leopold Neumann bleibt bis 26. Dezember 1942 interniert und wird anschließend in ein Flüchtlingsheim im südfranzösischen Castéra-Verduzan verbracht. Dort erlebt er 1944 die Befreiung Frankreichs durch die alliierten Truppen.
Biografie
1867
Grundschule in Konstanz
1879
Gymnasium in Konstanz
1884
Übersiedelung mit der Familie nach Karlsruhe
1884
Gymnasium in Karlsruhe
1886
Kaufmännische Lehre
1890
Handelshochschule in Berlin
1892
Studium am Gresham College in London
1897
Teilhaber der Karlsruher Eisengroßhandlung L. J. Ettlinger (vom Großvater mütterlicherseits Lazarus Joseph Ettlinger gegründetes Familienunternehmen)
ab 1909
Dozent an der Technischen Hochschule in Karlsruhe
1914
Mitglied im Karlsruher Bürgerausschuss
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, unter anderem in Frankreich
Engagement im Israelitischen Männerkrankenverein Karlsruhe und im Verein Friedrichsheim Gailingen (jüdisches Altenheim)
Stadtverordneter in Karlsruhe
ab 1929
Mehrfach Abgeordneter des Synagogenbezirks Karlsruhe bei der Israelitischen Landessynode
1944
Wohnhaft in Dun-sur-Meuse (Lothringen)
November 1948
Rückkehr nach Karlsruhe
1950
Neugründung des Familienunternehmens unter dem Namen »Lazarus Jos. Ettlingers Enkel L. + C. Neumann«
Rezeption
2001
Aufnahme in das Gedenkbuch für die Karlsruher Juden
Literatur
Gerhard Kaller: Jüdische Abgeordnete im badischen Landtag 1861-1933, in: Juden in Karlsruhe. Beiträge zu ihrer Geschichte bis zur nationalsozialistischen Machtergreifung, hrsg. von Ernst Otto Bräunche, Manfred Koch, Heinz Schmitt, Karlsruhe 1990, S. 434-435.
Schumacher 1995, S. 111.