Lorenz Riedmiller

Verfolgung
1933
Riedmiller ist Parteisekretär der SPD für den Unterbezirk Köln. 1933 wird er im Zuge der Auflösung der SPD durch die NS-Behörden entlassen.
März 1933
Nachdem ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, taucht Riedmiller im März 1933 unter. Er hält sich in der Umgebung von Köln auf und flieht einige Wochen ins Saarland und nach Luxemburg.
24.06.1933
Riedmiller kehrt im Glauben, der Haftbefehl gegen ihn sei aufgehoben, nach Köln zurück. Am 24. Juni 1933 wird er in Köln in »Schutzhaft« genommen. (Nach eigenen Angaben stellte sich Riedmiller freiwillig, weil seine Tochter verhaftet worden war.) Von Köln wird Riedmiller in das Konzentrationslager Esterwegen im Emsland gebracht. Dort wird er am 22. Dezember 1933 aus der Haft entlassen.
12.03.1936
Riedmiller wird am 12. März 1936 verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Ab dem 21. März 1936 befindet er sich im Gefängnis Köln-Klingelpütz. Am 16. Juli 1936 wird Riedmiller vom Oberlandesgericht Hamm zu einer Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus (unter Anrechnung der bisherigen Untersuchungshaft) sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre verurteilt. Zur Last gelegt wird Riedmiller Vorbereitung zum Hochverrat. Er soll insbesondere Angehörige von politischen Gefangenen mit Geld unterstützt haben, das er von dem ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Ferl in Belgien oder an der belgischen Grenze erhalten haben soll. Riedmiller ist nach seinem Urteil in Köln und in Siegburg inhaftiert. Er wird am 16. September 1938 aus der Haft entlassen.
10.11.1939
Riedmiller wird (möglicherweise anlässlich des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 8. November 1939 durch Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller) am 10. November 1939 verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Er wird Anfang Dezember 1939 aus der Haft entlassen.
22.08.1944
Riedmiller wird am 22. August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Am 23. August 1944 wird er in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort bleibt er bis zur Befreiung des Lagers Ende April 1945.
Biografie
Sohn eines Landwirts
1886
Volksschule in Egg
Tätigkeit als Landarbeiter
ab 1903
Eintritt in die SPD und die Gewerkschaft
1911
Stadtverordneter in Freiburg
ab 1912
Tätigkeit als Säger und Holzbearbeitungsmaschinist
Vorsitzender der SPD in Freiburg
1912
Parteisekretär der SPD in Emmendingen
1914
Mitglied des Kommunalverbands Emmendingen
1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg
1918
Mitglied des Gemeinderats und der Kreisversammlung des Kreises Freiburg
November 1918
Mitglied des Arbeiterrates in Freiburg
1919
Erneut Parteisekretär der SPD in Emmendingen
1922
Parteisekretär für den SPD-Unterbezirk Köln
1927
Stadtverordneter in Köln
1933
Arbeitslos
November 1935
Vertreter für die Lucielwerke in Duisburg
nach September 1938
Übersiedelung nach Gersthof bei Augsburg
Tätigkeit als Säger und Holzarbeiter
Oktober 1945
Kommissarischer Landrat des Kreises Mindelheim
1946
Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung Bayerns und des bayerischen Landtags
Mitglied des Bezirkstags Schwaben
ab Juli 1947
Stellvertretendes Mitglied des bayerischen Verfassungsgerichtshofs
1948
Mitglied des bayerischen SPD-Landesvorstands
1948
Vorsitzender des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes
Juli 1948
Oberbürgermeister der Stadt Memmingen
Rezeption
2013
Auf dem Memminger Waldfriedhof erinnert eine Gedenkstätte an Lorenz Riedmiller und Georg Fey (Riedmillers Vorgänger im Amt des Memminger Oberbürgermeisters).
Namenspatron des Riedmillerwegs in Memmingen
Literatur
Schumacher 1991, S. 464-465.
Schröder 1995, S. 677.
Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, Berlin 2013, S. 413-414.