Lorenz Riedmiller

Parlament

1919
Deutsche Nationalversammlung (SPD, Wahlkreis 33 Baden)

1920
Reichstag (SPD, Wahlkreis 35 Baden)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 19.10.1880, Egg an der Günz
Ehe Maria geb. Wiesler (1906)
Beruf Landarbeiter, Holzarbeiter, Parteifunktionär, Bürgermeister
Kinder 1
Konfession Römisch-katholisch, später konfessionslos
Verstorben 05.07.1960, Memmingen

Verfolgung

1933
Riedmiller ist Parteisekretär der SPD für den Unterbezirk Köln. 1933 wird er im Zuge der Auflösung der SPD durch die NS-Behörden entlassen.

März 1933
Nachdem ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, taucht Riedmiller im März 1933 unter. Er hält sich in der Umgebung von Köln auf und flieht einige Wochen ins Saarland und nach Luxemburg.

24.06.1933
Riedmiller kehrt im Glauben, der Haftbefehl gegen ihn sei aufgehoben, nach Köln zurück. Am 24. Juni 1933 wird er in Köln in »Schutzhaft« genommen. (Nach eigenen Angaben stellte sich Riedmiller freiwillig, weil seine Tochter verhaftet worden war.) Von Köln wird Riedmiller in das Konzentrationslager Esterwegen im Emsland gebracht. Dort wird er am 22. Dezember 1933 aus der Haft entlassen.

12.03.1936
Riedmiller wird am 12. März 1936 verhaftet und in Untersuchungshaft genommen. Ab dem 21. März 1936 befindet er sich im Gefängnis Köln-Klingelpütz. Am 16. Juli 1936 wird Riedmiller vom Oberlandesgericht Hamm zu einer Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten Zuchthaus (unter Anrechnung der bisherigen Untersuchungshaft) sowie zum Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für drei Jahre verurteilt. Zur Last gelegt wird Riedmiller Vorbereitung zum Hochverrat. Er soll insbesondere Angehörige von politischen Gefangenen mit Geld unterstützt haben, das er von dem ehemaligen SPD-Reichstagsabgeordneten Gustav Ferl in Belgien oder an der belgischen Grenze erhalten haben soll. Riedmiller ist nach seinem Urteil in Köln und in Siegburg inhaftiert. Er wird am 16. September 1938 aus der Haft entlassen.

10.11.1939
Riedmiller wird (möglicherweise anlässlich des gescheiterten Attentats auf Adolf Hitler am 8. November 1939 durch Georg Elser im Münchner Bürgerbräukeller) am 10. November 1939 verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Er wird Anfang Dezember 1939 aus der Haft entlassen.

22.08.1944
Riedmiller wird am 22. August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« verhaftet und in »Schutzhaft« genommen. Am 23. August 1944 wird er in das Konzentrationslager Dachau überstellt. Dort bleibt er bis zur Befreiung des Lagers Ende April 1945.

Biografie

Sohn eines Landwirts

1886
Volksschule in Egg

Tätigkeit als Landarbeiter

ab 1903
Eintritt in die SPD und die Gewerkschaft

1911
Stadtverordneter in Freiburg

ab 1912
Tätigkeit als Säger und Holzbearbeitungsmaschinist

Vorsitzender der SPD in Freiburg

1912
Parteisekretär der SPD in Emmendingen

1914
Mitglied des Kommunalverbands Emmendingen

1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

1918
Mitglied des Gemeinderats und der Kreisversammlung des Kreises Freiburg

November 1918
Mitglied des Arbeiterrates in Freiburg

1919
Erneut Parteisekretär der SPD in Emmendingen

1922
Parteisekretär für den SPD-Unterbezirk Köln

1927
Stadtverordneter in Köln

1933
Arbeitslos

November 1935
Vertreter für die Lucielwerke in Duisburg

nach September 1938
Übersiedelung nach Gersthof bei Augsburg

Tätigkeit als Säger und Holzarbeiter

Oktober 1945
Kommissarischer Landrat des Kreises Mindelheim

1946
Mitglied der verfassungsgebenden Landesversammlung Bayerns und des bayerischen Landtags

Mitglied des Bezirkstags Schwaben

ab Juli 1947
Stellvertretendes Mitglied des bayerischen Verfassungsgerichtshofs

1948
Mitglied des bayerischen SPD-Landesvorstands

1948
Vorsitzender des Kreisverbands des Bayerischen Roten Kreuzes

Juli 1948
Oberbürgermeister der Stadt Memmingen

Rezeption

2013
Auf dem Memminger Waldfriedhof erinnert eine Gedenkstätte an Lorenz Riedmiller und Georg Fey (Riedmillers Vorgänger im Amt des Memminger Oberbürgermeisters).

Namenspatron des Riedmillerwegs in Memmingen

Literatur

Schumacher 1991, S. 464-465.

Schröder 1995, S. 677.

Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (Hrsg.): Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, Berlin 2013, S. 413-414.