Ludwig Marum

Parlament

1919
Verfassunggebende Landesversammlung der Republik Baden (SPD, Wahlkreis 3 Karlsruhe)

1921
Landtag der Republik Baden (SPD, Wahlkreis 5 Karlsruhe)

1928
Reichstag (SPD, Reichswahlvorschlag)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 -
Geburt 05.11.1882, Frankenthal
Ehe Johanna geb. Benedick (1910)
Beruf Rechtsanwalt
Kinder 3
Konfession Jüdisch, später freireligiös
Verstorben 29.03.1934, KZ Kislau

Verfolgung

10.03.1933
Marum wird am 10. März 1933 aufgrund seiner jüdischen Abstammung und seiner politischen Tätigkeit (unter Missachtung seiner Immunität als Reichstagsabgeordneter) zusammen mit anderen Sozialdemokraten verhaftet und in Karlsruhe in »Schutzhaft« genommen. Am 16. März 1933 werden Marum und weitere Schutzhäftlinge in einer inszenierten »Schaufahrt« auf einem offenen Lastwagen durch Karlsruhe gefahren und in das Konzentrationslager Kislau gebracht. Dort wird Marum am 29. März 1934 auf Befehl des badischen NSDAP-Gauleiters Robert Wagner von drei Mitgliedern der Lagerwachmannschaft (Karl Sauer, Paul Heupel, Eugen Müller) erdrosselt. Marums Tod wird offiziell als Selbstmord dargestellt.

1938
Marum hat 1926 die Ehrendoktorwürde der medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau erhalten. 1938 erkennt die Universität den Titel nachträglich ab.

nach 1933
Marums Familie flieht vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland: Sein Sohn Hans, aktiver Kommunist, flüchtet 1933 nach Paris und geht 1942 nach Mexiko. Seine Ehefrau Johanna und ihre Tochter Brigitte fliehen 1936 ebenfalls nach Paris, Tochter Elisabeth folgt ihnen im selben Jahr. 1941 gehen Ehefrau Johanna und Tochter Elisabeth in die USA. Tochter Brigitte wird hingegen 1943 in Marseille verhaftet, deportiert und am 25. März 1943 im Vernichtungslager Sobibor in Polen ermordet.

Biografie

Sohn eines Kaufmanns

Volksschule in Bruchsal

1891
Schönborn-Gymnasium in Bruchsal

1900
Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg und München

Mitglied der jüdischen Studentenverbindung Badenia

1904
Erstes juristisches Staatsexamen

ab 1904
Eintritt in die SPD

1904
Arbeit als Rechtspraktikant in Bruchsal und Karlsruhe

ab 1908
Rechtsanwalt in Karlsruhe

Dezember 1908
Zweites juristisches Staatsexamen

1910
Vorsitzender des Arbeitersängerbunds Baden

1911
Stadtverordneter in Karlsruhe

1914
Mitglied der badischen Ständeversammlung

1915
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg

November 1918
Minister für Justiz der provisorischen Landesregierung Baden

April 1919
Staatsrat (Minister ohne Geschäftsbereich) in der Regierung Badens

1928
Mitglied im Vorstand der badischen Anwaltskammer

03.04.1934
Beerdigung Marums auf dem Hauptfriedhof von Karlsruhe in Anwesenheit von 3.000 Menschen

04.06.1948
Verurteilung der zwei überlebenden Mörder Marums durch das Landgericht Karlsruhe (Karl Sauer erhält lebenslange Haft, Paul Heupel 12 Jahre Haft.)

Rezeption

1926
Ehrendoktor der Medizinischen Fakultät der Universität Freiburg im Breisgau

1984
Gedenkveranstaltung zu seinem Todestag und Umbettung der Urne in ein Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe

1984
Stele vor dem ehemaligen Konzentrationslager Kislau

1984
Ehrentafel vor dem Schönborn-Gymnasium in Bruchsal

1985
Namenspatron des Ludwig-Marum-Gymnasiums in Pfinztal-Berghausen

ab 1988
Namenspatron des Ludwig-Marum-Preises der SPD

1992
Nennung auf einer Gedenktafel am Reichstag in Berlin für die 96 ermordeten Reichstagsabgeordneten

Namenspatron der Ludwig-Marum-Straße in Karlsruhe-Mühlburg

Namenspatron des Ludwig-Marum-Wegs in Bruchsal

2014
Gedenktafel am Finanzamt im Bruchsal (dort war früher das von Marum besuchte Schönborn-Gymnasium)

»Stolpersteine« (Gedenksteine) vor Marums Geburtshaus in der Willy-Brandt-Anlage in Frankenthal und vor seiner letzten Wohnung in der Wendtstraße 3 in Karlsruhe

Literatur

Joachim W. Stork: Ein Leben für Recht und Freiheit. Ludwig Marum. Der Schicksalsweg eines Bruchsaler Gymnasiasten, in: Bruchsal. Zeitschrift für Kultur und Heimatgeschichte, 24, 1986, 1, S. 4-20.

Friedhelm Becker: Ludwig Marum. Biographische Skizzen, Karlsruhe 1994.

Joachim W. Storck: Ludwig Marum, in: Badische Biographien, 4, 1996, S. 198-202.

Manfred Koch: »Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz«. Ludwig Marum - in Schutzhaft, in: Politische Gefangene in Südwestdeutschland, hrsg. vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Tübingen 2001, S. 195-211, 306-307.

Detlev Fischer: Karlsruher Juristenportraits aus der Vorzeit der Residenz des Rechts, Karlsruhe 2004, S. 58-64.

Monika Pohl: Ludwig Marum, in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Stuttgart 2005, S. 147-156.

Detlev Fischer: Rechtsanwalt Ludwig Marum als Rechts- und Verfassungspolitiker, in: Recht und Politik, 44, 2008, 4, S. 234-242.

Monika Pohl: »Meine Freiheit können sie mir nehmen, aber nicht meine Würde und meinen Stolz«. Der Sozialdemokrat jüdischer Herkunft Ludwig Marum, in: Jüdisches Leben in Baden 1809 bis 2009, ediert von David Seldner, Ostfildern 2009, S. 129-139.

Dietmar Konanz: Ludwig Marum in: Jüdische Persönlichkeiten im Kraichgau, hrsg. von Michael Heitz, Bernd Röcker, Heidelberg 2013, S. 177-181.

Monika Pohl: Ludwig Marum. Gegner des Nationalsozialismus. Das Verfolgungsschicksal eines Sozialdemokraten jüdischer Herkunft, Karlsruhe 2013.

Monika Pohl: Ludwig Marum, in: Menschen, die uns bewegten. 20 deutsche Biografien im 20. Jahrhundert, hrsg. von Ines Mayer, Köln 2014, S. 60-67.

Andrée Fischer-Marum (Bearb.): Das letzte Jahr in Briefen. Der Briefwechsel zwischen Ludwig Marum und Johanna Marum, Karlsruhe 2016.