Dr. Marcel Nordmann

Verfolgung
März 1933
Nordmann ist Regierungsrat beim Bezirksamt Konstanz. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wird er im März 1933 zum Oberversicherungsamt in Karlsruhe versetzt. Am 6. Mai 1933 wird er durch die NS-Behörden in den Ruhestand versetzt. Die rechtliche Grundlage dafür bildet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
1938
Um einer weiteren Verfolgung durch die NS-Behörden zu entgehen, flieht Nordmann 1938 zunächst ohne Ehefrau und Tochter nach Frankreich und in die Schweiz.
nach 1938
Normanns Tochter Ruth gilt als »jüdischer Mischling ersten Grades«, weshalb ihr der Schulbesuch für drei Jahre verweigert wird. Um weiterer Verfolgung zu entgehen, flieht sie zu ihrem Vater in die Schweiz.
nach 1938
Nordmanns katholische Ehefrau Anna gilt bei den nationalsozialistischen Behörden als »arisch«. Dennoch wird ihr aufgrund »politischer Unzuverlässigkeit« die Ausreise zu ihrem Ehemann in die Schweiz untersagt. Sie wird mehrfach von der Gestapo aufgesucht und zu ihrem Ehemann befragt.
Biografie
1890
Sohn eines Rechtsagenten
1909
Abitur am Hebel-Gymnasium in Lörrach
1909
Studium der Rechtswissenschaft in Lausanne, Freiburg, Straßburg, München und Berlin
1913
Erste juristische Staatsprüfung
1913
Rechtspraktikant (Referendar)
1916
Eintritt in die SPD
1917
Zweite juristische Staatsprüfung
1917
Promotion an der Universität Freiburg über das Thema »Der Bürgerausschuss nach der badischen Gemeinde- und Städteordnung«
1920
Übernahme in den höheren Verwaltungsdienst und Ernennung zum Amtmann
Februar 1921
Amtlicher Berichterstatter für den badischen Landtag
1927
Regierungsrat beim Bezirksamt in Konstanz
Februar 1927
Auslandsaufenthalt zum Studium der englischen und französischen Verwaltungsorganisation
1934
Angestellter der Allianz-Versicherungsgesellschaft in Stuttgart
01.06.1945
Landrat und Landeskommissär in Konstanz, von der französischen Militärregierung ernannt
1946
Eintritt in die SPD
Dezember 1946
Mitglied des badischen Staatssekretariats (badische provisorische Regierung) und Staatssekretär im Badischen Ministerium des Innern
August 1947
Badischer Justizminister
1948
Präsident des Badischen Statistischen Landesamts
Literatur
Rößler 1949, S. 131.
Alfred Bloch: Aus der Vergangenheit der Lörracher Juden. 3. Teil. 1848-1922, in: Unser Lörrach, 12, 1981, S. 95-96.
Erich Will: Marcel (Marzel) Nordmann, in: Badische Biographien, 3, 1990, S. 200-202.
Angerbauer 1996, S. 431.
Weik 2003, S. 108.