Dr. Marcel Nordmann

Parlament

1947
Landtag Baden (SPD, Wahlkreis Freiburg Land-Müllheim)

Partei vor 1933 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)

nach 1945 Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Geburt 21.02.1890, Lörrach
Ehe Anna geb. Jünger (1927)
Beruf Jurist, Beamter, Landesminister
Kinder 1
Konfession Jüdisch, später evangelisch
Verstorben 08.11.1948, Konstanz

Verfolgung

März 1933
Nordmann ist Regierungsrat beim Bezirksamt Konstanz. Aufgrund seiner jüdischen Abstammung wird er im März 1933 zum Oberversicherungsamt in Karlsruhe versetzt. Am 6. Mai 1933 wird er durch die NS-Behörden in den Ruhestand versetzt. Die rechtliche Grundlage dafür bildet das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.

1938
Um einer weiteren Verfolgung durch die NS-Behörden zu entgehen, flieht Nordmann 1938 zunächst ohne Ehefrau und Tochter nach Frankreich und in die Schweiz.

nach 1938
Normanns Tochter Ruth gilt als »jüdischer Mischling ersten Grades«, weshalb ihr der Schulbesuch für drei Jahre verweigert wird. Um weiterer Verfolgung zu entgehen, flieht sie zu ihrem Vater in die Schweiz.

nach 1938
Nordmanns katholische Ehefrau Anna gilt bei den nationalsozialistischen Behörden als »arisch«. Dennoch wird ihr aufgrund »politischer Unzuverlässigkeit« die Ausreise zu ihrem Ehemann in die Schweiz untersagt. Sie wird mehrfach von der Gestapo aufgesucht und zu ihrem Ehemann befragt.

Biografie

1890
Sohn eines Rechtsagenten

1909
Abitur am Hebel-Gymnasium in Lörrach

1909
Studium der Rechtswissenschaft in Lausanne, Freiburg, Straßburg, München und Berlin

1913
Erste juristische Staatsprüfung

1913
Rechtspraktikant (Referendar)

1916
Eintritt in die SPD

1917
Zweite juristische Staatsprüfung

1917
Promotion an der Universität Freiburg über das Thema »Der Bürgerausschuss nach der badischen Gemeinde- und Städteordnung«

1920
Übernahme in den höheren Verwaltungsdienst und Ernennung zum Amtmann

Februar 1921
Amtlicher Berichterstatter für den badischen Landtag

1927
Regierungsrat beim Bezirksamt in Konstanz

Februar 1927
Auslandsaufenthalt zum Studium der englischen und französischen Verwaltungsorganisation

1934
Angestellter der Allianz-Versicherungsgesellschaft in Stuttgart

01.06.1945
Landrat und Landeskommissär in Konstanz, von der französischen Militärregierung ernannt

1946
Eintritt in die SPD

Dezember 1946
Mitglied des badischen Staatssekretariats (badische provisorische Regierung) und Staatssekretär im Badischen Ministerium des Innern

August 1947
Badischer Justizminister

1948
Präsident des Badischen Statistischen Landesamts

Literatur

Rößler 1949, S. 131.

Alfred Bloch: Aus der Vergangenheit der Lörracher Juden. 3. Teil. 1848-1922, in: Unser Lörrach, 12, 1981, S. 95-96.

Erich Will: Marcel (Marzel) Nordmann, in: Badische Biographien, 3, 1990, S. 200-202.

Angerbauer 1996, S. 431.

Weik 2003, S. 108.