Paul (Peter) Schreck

Verfolgung
07.03.1933
Schreck wird am 7. März 1933 verhaftet und im Landesgefängnis Mannheim in »Schutzhaft« genommen. Am 29. Mai 1933 wird er in das Konzentrationslager Heuberg überstellt. Am 23. Dezember 1933 erfolgt Schrecks Verlegung in das Konzentrationslager Kislau. Dort wird er am 18. April 1935 aus der Haft entlassen. Anschließend ist Schreck verpflichtet, sich regelmäßig auf dem Polizeirevier Mannheim-Waldhof zu melden. Zunächst muss er dort täglich vorstellig werden, ab Mai 1936 muss er sich bis zum Dezember 1938 alle drei bis vier Tage melden.
09.07.1935
Schrecks Ehefrau Katharina (geb. Hauer) wird aufgrund ihrer politischen Tätigkeit für die KPD am 9. Juli 1935 verhaftet und in Mannheim in Untersuchungshaft genommen. Am 14. Februar 1936 wird sie nach Karlsruhe überstellt. Dort verurteilt das Oberlandgericht Karlsruhe Katharina Schreck wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu einem Jahr Haft. Am 12. Mai 1936 wird sie in das Gefängnis Gotteszell überstellt. Dort wird Katharina Schreck am 21. August 1936 aus der Haft entlassen.
01.09.1939
Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges wird Schreck am 1. September 1939 verhaftet und in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Dort bekleidet er von 1944 bis 1945 die Position eines »Lagerältesten« (Häftling, der von der Lagerverwaltung zu Kontroll- und Verwaltungsaufgaben gegenüber seinen Mitgefangenen eingesetzt wird). Am 11. April 1945 endet Schrecks Haft, als das Konzentrationslager Buchenwald durch US-amerikanische Truppen befreit wird.
Biografie
Sohn eines Korbmachers
1899
Volksschule in Zeitz
1907
Lehre als Eisendreher bei der Zeitzer Eisengießerei und Maschinenbau AG
1908
Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ)
1910
Eintritt in den Deutschen Metallarbeiter-Verband (DMV)
1911
Eintritt in die SPD
1912
Wanderschaft mit Aufenthalten in Norddeutschland, in Mülheim an der Ruhr und in Witten
1915
Übersiedelung nach Mannheim
1916
Eisendreher bei der Firma Benz & Cie und bei den Motoren-Werken Mannheim
1918
Mitbegründer des Spartakusbunds in Baden
1918
Schreck ist einer der Anführer des Munitionsarbeiterstreiks in Mannheim.
Schreck schließt sich den Bremer Linken an, einer linken Gruppierung innerhalb der SPD.
1919
Mitbegründer der KPD in Mannheim
1920
Delegierter des Vereinigungsparteitags von KPD und USPD in Berlin
1921
Hauptamtlicher Parteisekretär der KPD und Herausgeber des KPD-Parteiorgans »Rote Fahne«
In den 1920er-Jahren wird Schreck wegen seiner Tätigkeit für die KPD mehrfach zu Haftstrafen verurteilt. Im April 1924 wird er wegen Weiterführung der illegalen KPD verhaftet und zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
1926
Politischer Leiter der KPD in Baden
1928
Mitglied des Zentralkomitees der KPD und Delegierter des VI. Weltkongresses der Komintern in Moskau
1930
Stadtverordneter in Mannheim
Juni 1937
Fürsorgeberater beim Städtischen Tiefbauamt Mannheim
August 1937
Eisendreher bei der Firma Gerberich & Cie in Mannheim
Vorsitzender und politischer Leiter der KPD in Baden
1945
Stellvertretender Vorsitzender des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) in Mannheim und der Industriegruppe Metall Württemberg-Baden (später IG Metall)
1945
Beirat des Oberbürgermeisters in Mannheim
ab 1946
Mitglied des Gemeinderats in Mannheim
10.09.1948
Schreck stirbt bei einem Autounfall.
Rezeption
1991
Namenspatron des Paul-Schreck-Platzes in Mannheim
Literatur
Hermann Weber: Die Wandlung des deutschen Kommunismus. Die Stalinisierung der KPD in der Weimarer Republik, 2, Frankfurt am Main 1969, S. 287–288.
Brach 1984, S. 108.
Erich Matthias, Hermann Weber (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Mannheim, Mannheim 1984, S. 254, 314, 347.
Schumacher 1991, S. 511.
Weik 2003, S. 136, 301.
Weber Herbst 2008, S. 826-827.
Karl-Heinz Schwarz-Pich: Peter Paul Schreck, in: Badische Biographien, 6, 2011, S. 362-364.
Dokumente
Stempel des Polizei-Reviers Mannheim-Waldorf
Nach seiner Entlassung aus dem Konzentrationslager Kislau war Schreck verpflichtet, sich regelmäßig auf dem Polizeirevier Mannheim-Waldhof zu melden. Zunächst musste er dort täglich vorstellig werden, von Mai 1936 bis Dezember 1938 alle drei bis vier Tage. Das Erscheinen Schrecks wurde durch Stempel bestätigt.