Dr. Reinhold (Otto) Maier

Parlament

1932
Landtag des freien Volksstaates Württemberg (DDP, Wahlverband Groß-Stuttgart)

1932
Reichstag (DStP, Wahlkreis 31 Württemberg, ab März 1933 Reichswahlvorschlag)

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der Regierung)

1946
Verfassungsgebende Landesversammlung Württemberg-Baden (DVP, Wahlkreis 1 Stuttgart)

1946
Landtag Württemberg-Baden (DVP, Wahlkreis Stuttgart, ab 1950 Wahlkreis Waiblingen)

1952
Verfassungsgebende Landesversammlung Baden-Württemberg (FDP/DVP, Wahlkreis Waiblingen II)

1953
Landtag Baden-Württemberg (FDP/DVP, Wahlkreis Waiblingen II)

1953
Deutscher Bundestag (FDP/DVP, Landesliste)

1957
Deutscher Bundestag (FDP/DVP, Landesliste)

Partei vor 1933 Fortschrittliche Volkspartei (FVP)
Deutsche Demokratische Partei (DDP)
Deutsche Staatspartei (DStP)

nach 1945 Demokratische Volkspartei (DVP)
Freie Demokratische Partei (FDP)
Geburt 16.10.1889, Schorndorf
Ehe Gertrud »Gerta« geb. Goldschmidt (1929)
Beruf Rechtsanwalt, Landesminister, Ministerpräsident
Kinder 2
Konfession Evangelisch
Verstorben 19.08.1971, Stuttgart

Verfolgung

17.02.1933
Maier äußert sich am 17. Februar 1933 bei einer Wahlkampfrede in Oberndorf am Neckar kritisch über das NS-Regime. Daraufhin leitet die Oberstaatsanwaltschaft Rottweil gegen Maier ein Verfahren ein wegen Verstoßes gegen das Versammlungsverbot und wegen staatsfeindlicher Äußerungen. Das Verfahren wird jedoch ergebnislos eingestellt.

September 1933
Maier beantragt im September 1933 die Erneuerung seines Reisepasses. Diese wird von den NS-Behörden verweigert.

25.08.1939
Maiers Ehefrau Gerta gilt nach nationalsozialistischen Rassekriterien als Jüdin. Sie nutzt daher einen mehrwöchigen Familienurlaub in der Schweiz zur Emigration: Am 24. August 1939 reist sie von Genf aus mit den beiden Kindern Magda (geb. 7. November 1929) und Georg (geb. 26. Mai 1933) über Frankreich nach England. Dort ist Gerta Maier als Haushaltshilfe tätig.

Juli 1943
Auf Druck der NS-Behörden und um seine Tätigkeit als Rechtsanwalt weiter ausüben zu können, lässt sich Maier im Juli 1943 von seiner als Jüdin geltenden Ehefrau scheiden.

1944
Maier ist Rechtsanwalt in Stuttgart. 1944 wird seine Kanzlei auf Anordnung des württembergischen NSDAP-Gauleiters Wilhelm Murr geräumt.

27.11.1944
Maier wird am 27. November 1944 vom Arbeitsamt Stuttgart dienstverpflichtet. Er wird einem unterirdischen Rüstungsbetrieb in Westhausen bei Aalen zugeteilt, wo er arbeitsrechtliche Aufgaben ausführt.

28.03.1945
Maier wird am 28. März 1945 von der Gestapo Stuttgart zu einem Verhör vorgeladen. Er leistet der Vorladung jedoch keine Folge und taucht am 29. März 1945 unter. Bis Kriegsende hält er sich in einer Mühle im Jagsttal versteckt.

Biografie

Sohn eines Stadtbaumeisters

1896
Volksschule in Schorndorf

1898
Lateinschule in Schorndorf

1902
Dillmann-Gymnasium in Stuttgart

1907
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Grenoble und Tübingen

Mitglied der Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia

1912
Erste juristische Staatsprüfung

1912
Eintritt in die FVP

1913
Rechtsreferendar in Ravensberg

1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg an der Ost- und Westfront

1918
Eintritt in die DDP

1919
Parteisekretär der DDP-Oberschwaben

Juni 1919
Zweite juristische Staatsprüfung

1920
Rechtsanwalt in Stuttgart

1921
Promotion zum Dr. jur. in Heidelberg

1924
Vorsitzender des DDP-Kreisverbands Stuttgart

1924
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Zu den 3 Cedern

1929
Landesvorstand der DDP Württemberg

19.01.1930
Wirtschaftsminister von Württemberg

1933
Rechtsanwalt in Stuttgart

Mai 1945
Landrat im Kreis Schwäbisch Gmünd

1945
Mitglied im Länderrat in der US-Besatzungszone, später in der Bizone

1945
Mitbegründer der DVP

14.09.1945
Ministerpräsident von Württemberg-Baden

ab 1946
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Furchtlos und Treu

1949
Mitglied des Bundesrats, dort 1952 Präsident

25.04.1952
Ministerpräsident von Baden-Württemberg

Mai 1953
Justizminister von Baden-Württemberg

1957
Bundesvorsitzender der FDP

Rezeption

1949
Ehrenbürger der Stadt Schorndorf

1953
Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1954
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1955
Ehrenbürger der Stadt Welzheim

1959
Goldene Ehrennadel und Ehrenmitglied des Schwäbischen Albvereins

1964
Verfassungsmedaille des Landes Baden-Württemberg

1965
Joseph-Hall-Gedächtnismedaille

1967
Ehrenbürger der Stadt Stuttgart

Namenspatron der Reinhold-Maier-Stiftung der FDP

Namenspatron der Reinhold-Maier-Straße in Remshalden

Namenspatron der Reinhold-Maier-Straße in Ludwigsburg

Literatur

Eugen Lang: Dr. Reinhold Maier suchte in schwerer Stunde 1939 Trost auf der Böhmenkircher Alb, in: Böhmenkirch. Dorf und Land zwischen Messelberg und Albuch, hrsg. von Eugen Lang, Weißenhorn in Schwaben 1990, S. 388-390.

Paul Sauer: Reinhold Maier, in: Treuhänder des deutschen Volkes. Die Ministerpräsidenten der westlichen Besatzungszonen nach den ersten freien Landtagswahlen, hrsg. von Walter Mühlhausen, Melsungen 1991, S. 53-77.

Ralf Dahrendorf: Liberale und andere, Stuttgart 1994, S. 160-170.

Raberg 2001, S. 538-540.

Klaus-Jürgen Matz: Maier Reinhold, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 234-242.

Weik 2003, S. 95.

Jörg Brehmer: Reinhold Maier in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Stuttgart 2005, S. 267-276.

Ulrich Müller: Die Zeit Reinhold Maiers in Ostwürttemberg, in: Ostalb - Einhorn, 34, 2007, S. 203-213.

Jörg Brehmer: Reinhold Maier, in: Menschen, die uns bewegten. 20 deutsche Biografien im 20. Jahrhundert, hrsg. von Ines Mayer, Köln 2014, S. 140-149.

Albrecht Ernst: Reinhold Otto Maier in: Gelebte Utopie. Auf den Spuren der Freimaurer in Württemberg. Begleitbuch zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, bearb. von Albrecht Ernst, Regina Grünert, Stuttgart 2017, S. 148-149.

Dokumente

Meldebogen zur Entnazifizierung

Im Rahmen der nach 1945 durchgeführten Entnazifizierung musste Maier in einem Meldebogen der alliierten Militärregierung seine eventuelle Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und seine Aktivitäten in der NS-Zeit darlegen. Ziel dieser Maßnahme war es, NS-Täter und belastete Personen zu finden, aus öffentlichen Ämtern und Behörden zu entfernen und gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.