Dr. Reinhold (Otto) Maier

Verfolgung
17.02.1933
Maier äußert sich am 17. Februar 1933 bei einer Wahlkampfrede in Oberndorf am Neckar kritisch über das NS-Regime. Daraufhin leitet die Oberstaatsanwaltschaft Rottweil gegen Maier ein Verfahren ein wegen Verstoßes gegen das Versammlungsverbot und wegen staatsfeindlicher Äußerungen. Das Verfahren wird jedoch ergebnislos eingestellt.
September 1933
Maier beantragt im September 1933 die Erneuerung seines Reisepasses. Diese wird von den NS-Behörden verweigert.
25.08.1939
Maiers Ehefrau Gerta gilt nach nationalsozialistischen Rassekriterien als Jüdin. Sie nutzt daher einen mehrwöchigen Familienurlaub in der Schweiz zur Emigration: Am 24. August 1939 reist sie von Genf aus mit den beiden Kindern Magda (geb. 7. November 1929) und Georg (geb. 26. Mai 1933) über Frankreich nach England. Dort ist Gerta Maier als Haushaltshilfe tätig.
Juli 1943
Auf Druck der NS-Behörden und um seine Tätigkeit als Rechtsanwalt weiter ausüben zu können, lässt sich Maier im Juli 1943 von seiner als Jüdin geltenden Ehefrau scheiden.
1944
Maier ist Rechtsanwalt in Stuttgart. 1944 wird seine Kanzlei auf Anordnung des württembergischen NSDAP-Gauleiters Wilhelm Murr geräumt.
27.11.1944
Maier wird am 27. November 1944 vom Arbeitsamt Stuttgart dienstverpflichtet. Er wird einem unterirdischen Rüstungsbetrieb in Westhausen bei Aalen zugeteilt, wo er arbeitsrechtliche Aufgaben ausführt.
28.03.1945
Maier wird am 28. März 1945 von der Gestapo Stuttgart zu einem Verhör vorgeladen. Er leistet der Vorladung jedoch keine Folge und taucht am 29. März 1945 unter. Bis Kriegsende hält er sich in einer Mühle im Jagsttal versteckt.
Biografie
Sohn eines Stadtbaumeisters
1896
Volksschule in Schorndorf
1898
Lateinschule in Schorndorf
1902
Dillmann-Gymnasium in Stuttgart
1907
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Grenoble und Tübingen
Mitglied der Studentenverbindung Akademische Gesellschaft Stuttgardia
1912
Erste juristische Staatsprüfung
1912
Eintritt in die FVP
1913
Rechtsreferendar in Ravensberg
1914
Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg an der Ost- und Westfront
1918
Eintritt in die DDP
1919
Parteisekretär der DDP-Oberschwaben
Juni 1919
Zweite juristische Staatsprüfung
1920
Rechtsanwalt in Stuttgart
1921
Promotion zum Dr. jur. in Heidelberg
1924
Vorsitzender des DDP-Kreisverbands Stuttgart
1924
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Zu den 3 Cedern
1929
Landesvorstand der DDP Württemberg
19.01.1930
Wirtschaftsminister von Württemberg
1933
Rechtsanwalt in Stuttgart
Mai 1945
Landrat im Kreis Schwäbisch Gmünd
1945
Mitglied im Länderrat in der US-Besatzungszone, später in der Bizone
1945
Mitbegründer der DVP
14.09.1945
Ministerpräsident von Württemberg-Baden
ab 1946
Mitglied der Stuttgarter Freimaurerloge Furchtlos und Treu
1949
Mitglied des Bundesrats, dort 1952 Präsident
25.04.1952
Ministerpräsident von Baden-Württemberg
Mai 1953
Justizminister von Baden-Württemberg
1957
Bundesvorsitzender der FDP
Rezeption
1949
Ehrenbürger der Stadt Schorndorf
1953
Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1954
Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1955
Ehrenbürger der Stadt Welzheim
1959
Goldene Ehrennadel und Ehrenmitglied des Schwäbischen Albvereins
1964
Verfassungsmedaille des Landes Baden-Württemberg
1965
Joseph-Hall-Gedächtnismedaille
1967
Ehrenbürger der Stadt Stuttgart
Namenspatron der Reinhold-Maier-Stiftung der FDP
Namenspatron der Reinhold-Maier-Straße in Remshalden
Namenspatron der Reinhold-Maier-Straße in Ludwigsburg
Literatur
Eugen Lang: Dr. Reinhold Maier suchte in schwerer Stunde 1939 Trost auf der Böhmenkircher Alb, in: Böhmenkirch. Dorf und Land zwischen Messelberg und Albuch, hrsg. von Eugen Lang, Weißenhorn in Schwaben 1990, S. 388-390.
Paul Sauer: Reinhold Maier, in: Treuhänder des deutschen Volkes. Die Ministerpräsidenten der westlichen Besatzungszonen nach den ersten freien Landtagswahlen, hrsg. von Walter Mühlhausen, Melsungen 1991, S. 53-77.
Ralf Dahrendorf: Liberale und andere, Stuttgart 1994, S. 160-170.
Raberg 2001, S. 538-540.
Klaus-Jürgen Matz: Maier Reinhold, in: Baden-Württembergische Biographien, 3, 2002, S. 234-242.
Weik 2003, S. 95.
Jörg Brehmer: Reinhold Maier in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Stuttgart 2005, S. 267-276.
Ulrich Müller: Die Zeit Reinhold Maiers in Ostwürttemberg, in: Ostalb - Einhorn, 34, 2007, S. 203-213.
Jörg Brehmer: Reinhold Maier, in: Menschen, die uns bewegten. 20 deutsche Biografien im 20. Jahrhundert, hrsg. von Ines Mayer, Köln 2014, S. 140-149.
Albrecht Ernst: Reinhold Otto Maier in: Gelebte Utopie. Auf den Spuren der Freimaurer in Württemberg. Begleitbuch zur Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, bearb. von Albrecht Ernst, Regina Grünert, Stuttgart 2017, S. 148-149.
Dokumente
Meldebogen zur Entnazifizierung
Im Rahmen der nach 1945 durchgeführten Entnazifizierung musste Maier in einem Meldebogen der alliierten Militärregierung seine eventuelle Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und seine Aktivitäten in der NS-Zeit darlegen. Ziel dieser Maßnahme war es, NS-Täter und belastete Personen zu finden, aus öffentlichen Ämtern und Behörden zu entfernen und gegebenenfalls zur Rechenschaft zu ziehen.