Dr. Rudolf Agricola

Parlament

1946
Vorläufige Volksvertretung Württemberg-Baden (Vertreter der KPD)

Partei vor 1933 Deutsche Demokratische Partei (DDP)
Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
Sozialistische Arbeiterpartei (SAP)
Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)

nach 1945 Kommunistische Partei Deutschlands (KPD)
Geburt 29.11.1900, Ladenburg
Erste Ehe
Anna geb. Becker (1927)
Zweite Ehe
Johanna geb. Schöppner (1947)
Beruf Lehrer, Zeitungsherausgeber, Professor, Generalkonsul
Kinder 2
Konfession Evangelisch, später konfessionslos
Verstorben 14.01.1985, Greifswald

Verfolgung

März 1933
Agricola ist Handelsoberlehrer in Zeitz. Im März 1933 wird er aus politischen Gründen entlassen.

28.09.1933
Agricola wird am 28. September 1933 verhaftet und im Gerichtsgefängnis in Halle in Untersuchungshaft genommen. Der gegen ihn erhobene Vorwurf lautet, er habe geholfen, die SAP in die KPD zu überführen. Das eingeleitete Untersuchungsverfahren muss jedoch aus Mangel an Beweisen eingestellt werden. Agricola wird am 31. Dezember 1933 aus der Haft entlassen.

Juli 1934
Agricola wird im Juni 1934 in Zeitz in Polizeihaft genommen. Er wird der Publikation illegaler Zeitschriften beschuldigt, muss aber nach acht Tagen aus Mangel an Beweisen entlassen werden.

20.03.1935
Agricola wird am 20. März 1935 in Untersuchungshaft genommen und in den Gefängnissen in Zeitz, Naumburg, Dresden und Magdeburg inhaftiert. Am 26. April 1936 wird er wegen der Verbreitung illegaler Schriften und illegaler Parteiarbeit der Vorbereitung zum Hochverrat schuldig befunden und vom Kammergericht Berlin zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Ab dem 20. April 1936 befindet er sich in Strafhaft im Gefängnis in Halle. Am 27. Februar 1943 wird Agricola aufgrund eines Antrags seines Vaters vorzeitig entlassen.

1943
Die NS-Behörden verbieten Agricola, nach seiner Haftentlassung am 27. Februar 1943 seinen Wohnsitz in Mitteldeutschland oder in Berlin zu nehmen. Agricola zieht daher nach Villingen.

Biografie

1907
Volksschule in Ladenburg

1910
Realschule in Ladenburg

1916
Realgymnasium in Mannheim

1919
Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Erlangen und Freiburg

1920
Eintritt in die DDP

1924
Promotion an der Universität Freiburg über das Thema »Die Beziehungen von Bankzentralen zu Filialen und Depositenkassen«

1924
Handelshochschule in Mannheim, Abschluss als Diplomhandelslehrer

1924
Eintritt in die SPD

1925
Büroangestellter in einer Zigarrenfabrik in Heilbronn

1927
Handelsoberlehrer in Zeitz

1929
Stadtverordneter in Zeitz

1931
Eintritt in die SAP

1931
Bezirksvorsitzender der SAP in Halle und Mitglied des Parteivorstands der SAP in Berlin

nach 1933
Illegale Tätigkeit für die KPD in Zeitz, außerdem Mitherausgeber der illegalen kommunistischen Zeitungen »Nun erst recht« und »Die Kommune« sowie Autor von illegalen Flugblättern

1933
Arbeitslos

1943
Büroangestellter bei der Firma Kienzle Apparatebau in Villingen

1945
Kreisleiter der KPD Heidelberg

1945
Vorsitzender der Deutschen Nachrichtenagentur (DENA) in der US-amerikanische Besatzungszone

1945
Herausgeber und Chefredakteur der »Rhein-Neckar-Zeitung« (RNZ), 1948 Entzug der RNZ-Mitherausgeberlizenz

ab 1947
Leiter des zeitungswissenschaftlichen Instituts an der Universität Halle, anschließend dort Professor für Volksökonomie

1948
Zunächst Prorektor, ab 1951 Rektor der Universität Halle

1950
Mitglied der Volkskammer der DDR

1954
Abteilungsleiter am Institut für Wirtschaftswissenschaften an der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin

1956
Leiter der Handelsvertretung der DDR in Finnland, ab 1961 als Generalkonsul

1963
Professor für Politökonomie und internationale Beziehungen zu den nordischen Ländern in Greifswald

Rezeption

1952
Auszeichnung Held der Arbeit der DDR

1960
Vaterländischer Verdienstorden der DDR

1970
Ehrendoktor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle

1980
Karl-Marx-Orden der DDR

Literatur

Rudolf Agricola, in: Munzinger Internationales Biographisches Archiv, 5, 1978, 23. Januar 1978.

Hans Rößler: Rudolf Agricola, in: Professoren der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg im Dienste einer humanistischen und fortschrittsfördernden Wissenschaft, Halle an der Saale 1987, S. 7-13.

Weik 2003, S. 14.

Werner Dietrich: Widerstand und Verfolgung in Zeitz 1933-1945. Antifaschistische Lebensbilder, Oppin 2005, S. 6–21.

Bernd-Rainer Barth: Rudolf Agricola, in: Wer war wer in der DDR? Ein Lexikon ostdeutscher Biographien, hrsg. von Helmut Müller-Enbergs, Berlin 2010, 1, S. 23.

Michael Kitzing: Rudolf Agricola, in: Baden-Württembergische Biographien, 5, 2013, S. 4-7.

Dokumente

Auszug aus der Anklageschrift gegen Rudolf Agricola

In ihrer Anklageschrift schilderte die Berliner Staatsanwaltschaft die illegalen politischen Aktivitäten Rudolf Agricolas in den Jahren 1933 und 1934.