Thekla Kauffmann

Verfolgung
1933
Kaufmann ist Abteilungsleiterin beim Landesarbeitsamt in Stuttgart. Weil sie Jüdin ist, wird sie 1933 aus dem Staatsdienst entlassen. Als rechtliche Grundlage für die Entlassung dient das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums.
nach November 1938
Kauffmann muss Wertpapiere im Wert von 2.315,10 Reichsmark als »Judenvermögensabgabe« an die Preußische Staatsbank zahlen.
April 1941
Kauffmann emigriert im April 1941 in die Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr Gepäck und ihr Hausrat wird ihr nur teilweise nachgeschickt. Der Rest wird von den NS-Behörden eingezogen und im August 1942 im Neuen Schloss in Stuttgart versteigert.
Biografie
vor 1914
Engagement in der bürgerlichen Frauenbewegung, unter anderem Mitglied im Verein für Frauenstimmrecht sowie Mitglied und Vorstand in einem israelitischen Mädchenverein
1918
Gründungsmitglied der württembergischen DDP
ab 1920
Leiterin der Hilfsstelle für Frauenarbeit beim Landesarbeitsamt Stuttgart
1922
Leiterin der Abteilung für Arbeitsberatung, -beschaffung und -vermittlung beim Landesarbeitsamt Stuttgart
ab 1933
Tätigkeit für verschiedene jüdische Organisationen, unter anderem für die israelitische Gemeinde Stuttgart, die Jüdische Mittelstelle in Stuttgart und den Hilfsverein der deutschen Juden. Kauffmanns Aufgabe bestand vor allem darin, Juden bei der Emigration zu helfen und Visa beim amerikanischen Konsulat zu organisieren.
Leiterin eines Heims für berufstätige Mütter in Chicago
ab 1948
Nach ihrem Ruhestand Tätigkeit in der Chicago Public Library
ab 1960
Kauffmann lebt zusammen mit ihrer Schwester Alice Uhlman in New York.
Literatur
Maria Zelzer: Weg und Schicksal der Stuttgarter Juden. Ein Gedenkbuch, Stuttgart 1964, S. 90-91, 204-207, 486, 514.
Walter Strauss (Hrsg.): Lebenszeichen. Juden aus Württemberg nach 1933, Gerlingen 1982, S. 144.
Andreas Lixl-Purcell (Hrsg.): Women of exile, German-Jewish autobiographies since 1933, New York 1988, S. 45-50
Wolfgang Niess: Thekla Kauffmann (1883-1980). Verpflichtung gegenüber den Mitmenschen in schwerster Zeit, in: Frauen im deutschen Südwesten, hrsg. von Birgit Knorr, Rosemarie Wehling, Stuttgart 1993, S. 180-185.
Schumacher 1995, S. 78-79.
Raberg 2001, S. 421-422.
Diana Finkele: Schwäbinnen und Badenerinnen. Frauenleben in Baden und Württemberg von 1750 bis heute, Mühlacker 2004, S. 56-58.
Hochreuther 2012, S. 78.