Dr. phil./Dr. med. Willy (Hugo) Hellpach

Parlament

1928
Reichstag (DDP, Reichswahlvorschlag)

Partei vor 1933 Deutsche Demokratische Partei (DDP)

nach 1945 -
Geburt 26.02.1877, Oels (Ole?nica)
Ehe Olga geb. Klim (1904)
Beruf Arzt, Journalist, Professor für Psychologie
Kinder Kinderlos
Konfession Evangelisch-lutherisch
Verstorben 06.07.1955, Heidelberg

Verfolgung

05.07.1933
Hellpach ist Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg. Am 5. Juli 1933 werden seine Gehaltsbezüge aus politischen Gründen gekürzt. Als rechtliche Grundlage dafür dient das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums sowie das Reichsministergesetz. Nach einer Beschwerde Hellpachs über die Kürzung seiner Gehaltsbezüge werden diese am 14. September 1933 weiter reduziert. Hellpach richtet daraufhin am 30. September 1935 ein (durch ein Rechtsgutachten gestütztes) Gesuch gegen die Kürzung seines Gehalts an die badische Regierung. Das Gesuch wird jedoch am 5. Februar 1936 vom badischen Finanzminister abgelehnt.

1936
Die NS-Behörden verbieten 1936 zwei von Hellpach verfasste Bücher: »Die Wesensgestalt der deutschen Schule« (1925) und »Politische Prognose für Deutschland« (1928).

August 1944
Hellpach wird im August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« von der Gestapo verhört.

Biografie

Sohn eines Gerichtsangestellten

1895
Abitur in Landshut und Beginn des Medizinstudiums in Greifswald

1898
Freier Mitarbeiter der »Sozialistischen Monatshefte«

1900
Promotion zum Dr. phil. in Leipzig

1903
Promotion zum Dr. med. in Heidelberg

1903
Freier Mitarbeiter der Zeitung »Der Tag«

ab 1904
Tätigkeit als selbstständiger Nervenarzt in Karlsruhe

1906
Habilitation in Psychologie in Karlsruhe

1907
Schriftleiter der »Ärztlichen Mitteilungen«

1911
Außerordentlicher Professor für Psychologie in Karlsruhe

1917
Freier Mitarbeiter der »Vossischen Zeitung«

1919
Eintritt in die DDP

1921
Außerplanmäßiger beamteter Professor und Leiter des Sozialpsychologischen Instituts in Karlsruhe

1922
Badischer Unterrichtsminister

1924
Badischer Staatspräsident

1925
Freier Mitarbeiter der »Neuen Zürcher Zeitung«

1925
Erfolglose Kandidatur bei der Wahl zum Reichspräsidenten

1926
Ordentlicher Honorarprofessor für Psychologie an der Universität Heidelberg

ab 1943
Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften

ab 1944
Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina

Rezeption

1952
Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie

1952
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1953
Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft

1973
Namenspatron der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg

Literatur

Willy Hellpach: Wirken in Wirren. Lebenserinnerungen. Eine Rechenschaft über Wert und Glück, Schuld und Sturz meiner Generation, 2 Bände, Hamburg 1948/49.

Otto Stolberg-Wernigerode: Willy Hellpach, in: Neue deutsche Biographie, 8, 1969, S. 487-488.

Walter Stallmeister: Willy-Hellpach-Bibliographie, Hagen 1986.

Christoph Führ, Hans Georg Zier (Hrsg.): Hellpach-Memoiren 1925-1945, Köln 1987.

Schumacher 1991, S.489.

Walter Stallmeister (Hrsg.): Willy Hellpach. Beiträge zu Werk und Biographie, Bern 1991.

Christian Jansen: Willy Hellpach. Ein antiliberaler Demokrat kommentiert den Niedergang der Weimarer Republik, in: Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur, hrsg. von Walter Schmitz, Clemens Vollnhals, Dresden 2005, S. 209-228.

Claudia-Anja Kaune: Willy Hellpach (1877-1955). Biographie eines liberalen Politikers der Weimarer Republik, Bern 2005.