Dr. phil./Dr. med. Willy (Hugo) Hellpach

Verfolgung
05.07.1933
Hellpach ist Professor für Psychologie an der Universität Heidelberg. Am 5. Juli 1933 werden seine Gehaltsbezüge aus politischen Gründen gekürzt. Als rechtliche Grundlage dafür dient das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums sowie das Reichsministergesetz. Nach einer Beschwerde Hellpachs über die Kürzung seiner Gehaltsbezüge werden diese am 14. September 1933 weiter reduziert. Hellpach richtet daraufhin am 30. September 1935 ein (durch ein Rechtsgutachten gestütztes) Gesuch gegen die Kürzung seines Gehalts an die badische Regierung. Das Gesuch wird jedoch am 5. Februar 1936 vom badischen Finanzminister abgelehnt.
1936
Die NS-Behörden verbieten 1936 zwei von Hellpach verfasste Bücher: »Die Wesensgestalt der deutschen Schule« (1925) und »Politische Prognose für Deutschland« (1928).
August 1944
Hellpach wird im August 1944 im Rahmen der »Aktion Gewitter« von der Gestapo verhört.
Biografie
Sohn eines Gerichtsangestellten
1895
Abitur in Landshut und Beginn des Medizinstudiums in Greifswald
1898
Freier Mitarbeiter der »Sozialistischen Monatshefte«
1900
Promotion zum Dr. phil. in Leipzig
1903
Promotion zum Dr. med. in Heidelberg
1903
Freier Mitarbeiter der Zeitung »Der Tag«
ab 1904
Tätigkeit als selbstständiger Nervenarzt in Karlsruhe
1906
Habilitation in Psychologie in Karlsruhe
1907
Schriftleiter der »Ärztlichen Mitteilungen«
1911
Außerordentlicher Professor für Psychologie in Karlsruhe
1917
Freier Mitarbeiter der »Vossischen Zeitung«
1919
Eintritt in die DDP
1921
Außerplanmäßiger beamteter Professor und Leiter des Sozialpsychologischen Instituts in Karlsruhe
1922
Badischer Unterrichtsminister
1924
Badischer Staatspräsident
1925
Freier Mitarbeiter der »Neuen Zürcher Zeitung«
1925
Erfolglose Kandidatur bei der Wahl zum Reichspräsidenten
1926
Ordentlicher Honorarprofessor für Psychologie an der Universität Heidelberg
ab 1943
Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften
ab 1944
Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina
Rezeption
1952
Wilhelm-Wundt-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Psychologie
1952
Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
1953
Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft
1973
Namenspatron der Willy-Hellpach-Schule in Heidelberg
Literatur
Willy Hellpach: Wirken in Wirren. Lebenserinnerungen. Eine Rechenschaft über Wert und Glück, Schuld und Sturz meiner Generation, 2 Bände, Hamburg 1948/49.
Otto Stolberg-Wernigerode: Willy Hellpach, in: Neue deutsche Biographie, 8, 1969, S. 487-488.
Walter Stallmeister: Willy-Hellpach-Bibliographie, Hagen 1986.
Christoph Führ, Hans Georg Zier (Hrsg.): Hellpach-Memoiren 1925-1945, Köln 1987.
Schumacher 1991, S.489.
Walter Stallmeister (Hrsg.): Willy Hellpach. Beiträge zu Werk und Biographie, Bern 1991.
Christian Jansen: Willy Hellpach. Ein antiliberaler Demokrat kommentiert den Niedergang der Weimarer Republik, in: Völkische Bewegung – Konservative Revolution – Nationalsozialismus. Aspekte einer politisierten Kultur, hrsg. von Walter Schmitz, Clemens Vollnhals, Dresden 2005, S. 209-228.
Claudia-Anja Kaune: Willy Hellpach (1877-1955). Biographie eines liberalen Politikers der Weimarer Republik, Bern 2005.