Fritz (Karl Gustav) Erler

Verfolgung
Herbst 1937
Erler wird im Herbst 1937 von der Nationalsozialistischen Volkswohlfahrt (NSV), der er ab 1935 angehört, zur Aufnahme in die NSDAP vorgeschlagen. Im Juni oder Juli 1938 wird er als Parteianwärter aufgenommen. Im Mai 1939 wird der Aufnahmeantrag des inzwischen verhafteten Erler abgelehnt, da »ein berechtigtes Interesse vorliegt, derartige Elemente von der Bewegung fernzuhalten«.
03.11.1938
Erler gehört der marxistisch-sozialistischen Widerstandsgruppe Neu Beginnen an. Er wird am 3. November 1938 in Potsdam verhaftet und anschließend im Berliner Gestapo-Gefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße und im Gefängnis Berlin-Moabit inhaftiert. Am 15. September 1939 wird Erler wegen Vorbereitung zum Hochverrat vom Volksgerichtshof in Berlin zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Zur Last gelegt werden ihm Kontakte mit Gesinnungsgenossen sowie das Einführen und Verfassen von illegalen Schriften im In- und Ausland. Am 10. Oktober 1939 wird Erler in das Zuchthaus Brandenburg-Görden überstellt. Seine weiteren Haftorte sind: ab dem 16. Januar 1940 das Strafgefangenenlager II des Konzentrationslagers Aschendorfer Moor im Emsland, ab dem 2. Dezember 1940 das Strafgefangenenlager Dieburg (Hessen) und ab dem 10. Februar 1941 das Zuchthaus Kassel-Wehlheiden. Am 6. April 1945 gelingt Erler die Flucht, als er im Zuge der Evakuierung des Zuchthauses Kassel-Wehlheiden mit einem Gefangenentransport in das Zuchthaus Straubing verlegt werden soll.
Biografie
Sohn eines Friseurmeisters und einer Schneiderin
1923
Oskar-Cassel-Realschule und Königstädtische Oberrealschule in Berlin
1928
Eintritt in die Sozialistische Arbeiterjugend
1931
Eintritt in die SPD
März 1932
Prüfung als Stadtinspektor in Berlin
ab April 1932
Supernumerar beim Bezirksamt Prenzlauer Berg in Berlin
April 1935
Außerplanmäßiger Stadtinspektor beim Bezirksamt Prenzlauer Berg in Berlin (auf eigenen Wunsch ausgeschieden)
ab Juli 1938
Kaufmännischer Leiter und später stellvertretender Betriebsführer einer Gummiwarenfabrik in Berlin-Marienfelde
September 1938
Einberufung zum Militärdienst in der Wehrmacht
1945
Tätigkeit als Dolmetscher
Mai 1945
Landrat in Biberach, von der französischen Militärregierung ernannt
1946
Tätigkeit in der Staatskanzlei Württemberg-Hohenzollern
April 1946
Internierung durch die französische Militärregierung im Lager Balingen (Erler hatte deutschen Deserteuren der französischen Fremdenlegion bei der Flucht in die US-Besatzungszone geholfen.)
1947
Landrat in Tuttlingen
1949
Gründungsmitglied und ab 1954 Vizepräsident des Deutschen Rats der Europäischen Bewegung
ab 1950
Mitglied der Beratenden Versammlung des Europarats
ab 1955
Mitglied der Versammlung der Westeuropäischen Union
1956
Mitglied des SPD-Parteivorstands, ab 1958 Mitglied des SPD-Präsidiums und ab 1964 stellvertretender SPD-Vorsitzender
ab 1956
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik
1964
Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion
Rezeption
1965
Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
2002
Namenspatron des »Fritz-Erler-Forums« (Landesbüro der Friedrich-Ebert-Stiftung für politische Bildung in Stuttgart)
Literatur
Hartmut Soell: Fritz Erler. Eine politische Biographie, Berlin 1974.
Hartwig Abraham: Fritz Erler. Landrat in Biberach 1945/46, in: Heimatkundliche Blätter für den Kreis Biberach, 13, 1990, 1, S. 38-41.
Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.), Klaus-Peter Schneider (Red.): Fritz Erler und die Sozialdemokratie als Reformpartei, Bonn 1992.
Horst Ferdinand: Fritz Karl Gustav Erler, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 110-116.
Hartmut Soell: Fritz Erler, in: Deutsche Politiker 1949-1969, hrsg. von Torsten Oppelland, Darmstadt 1999, 2, S. 109-119.
Weik 2003, S. 42.
Hartmut Soell: Fritz Erler, in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Stuttgart 2005, S. 310-320.