Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Gebhard Müller

Parlament

1947
Landtag Württemberg-Hohenzollern (CDU, Landesliste)

1952
Verfassungsgebende Landesversammlung Baden-Württemberg (CDU, Wahlkreis Tübingen)

1953
Landtag Baden-Württemberg (CDU, Wahlkreis Tübingen)

1953
Deutscher Bundestag (CDU, Wahlkreis 193 Balingen)

Partei vor 1933 Deutsche Zentrumspartei

nach 1945 -
Geburt 17.04.1900, Füramoos (Eberhardzell)
Ehe Marianne geb. Lutz (1940)
Beruf Jurist, Richter, Ministerpräsident
Kinder 3
Konfession Römisch-katholisch
Verstorben 07.08.1990, Stuttgart

Verfolgung

1935
Müller ist Amtsrichter in Göppingen. Die dortige Polizei will in einem gerichtlichen Verfahren die Göppinger Handelsgesellschaft Staufia zwingen, den Namen der jüdischen Besitzer in die Gesellschaftsbezeichnung mit aufzunehmen, um so den »jüdischen Charakter« der Firma sichtbar zu machen. Müller entscheidet 1935 als Amtsrichter zugunsten der Handelsgesellschaft. Nach der Urteilsverkündung droht ihm deshalb Göppingens Polizeidirektor Wilhelm Oesterreicher mit Verhaftung.

09.11.1938
Als am Abend des 9. November 1938 die Synagoge von Göppingen in Brand gesteckt wird, fordert Müller die Feuerwehr, die Polizei und den Landrat auf, mit den Löscharbeiten zu beginnen. Als diese sich weigern, erstattet Müller am nächsten Tag bei der Polizei Anzeige gegen unbekannt wegen unterlassener Hilfeleistung. In der Folge wird Müller zum 1. Januar 1939 an das Amtsgericht Stuttgart versetzt.

Biografie

Gymnasium in Ludwigsburg

1914
Progymnasium in Rottenburg

1915
Gymnasium und Konvikt in Rottweil

Juli 1918
Kriegs- bzw. Militärdienst

1919
Studium in Tübingen und Berlin, zunächst der Katholischen Theologie, Philosophie und Geschichte, ab 1922 der Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft

1926
Erste juristische Staatsprüfung

1926
Referendar in Ludwigsburg und Stuttgart

1929
Zweite juristische Staatsprüfung und Promotion in Tübingen

1929
Assessor und stellvertretender Amtsrichter in Stuttgart und Tübingen

1930
Rechtsrat beim Bischöflichen Ordinariat und Diözesanverwaltungsrat in Rottenburg

Vorsitzender der Zentrumspartei für die Stadt und den Bezirk Rottenburg

1933
Amtsrichter in Waiblingen

1934
Amtsrichter in Göppingen

Januar 1939
Amtsrichter in Stuttgart

Juli 1939
Landgerichtsrat in Stuttgart

August 1939
Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, Teilnahme am Frankreichfeldzug

1944
Erneut Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg, stationiert in Rottweil und Berlin

1945
Vorübergehend in französischer Kriegsgefangenschaft

1945
Oberstaatsanwalt, Ministerialrat und Ministerialdirektor in Württemberg-Hohenzollern

1947
Landesvorsitzender der CDU in Württemberg-Hohenzollern

August 1948
Staatspräsident von Württemberg-Hohenzollern

September 1953
Ministerpräsident von Baden-Württemberg

1959
Präsident des Bundesverfassungsgerichts

1972
Honorarprofessor an der Universität Tübingen

Rezeption

1953
Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland

1954
Ehrendoktor der Universität Freiburg im Breisgau

1954
Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes

1965
Verfassungsmedaille des Landes Baden-Württemberg in Gold

1972
Ehrendoktor der Universität Tübingen

Großkreuz des Päpstlichen Pius-Ordens

Großoffizier der Französischen Ehrenlegion

Ehrenbürger der Stadt Stuttgart

Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg

1977
Bayerischer Verdienstorden

Literatur

Kurt Gayer: Gebhard Müller. Ministerpräsident von 1953-1958, in: Die Villa Reitzenstein und ihre Herren, hrsg. von Kurt Gayer, Heinz Krämer, Georg F. Kempter, Stuttgart 1989, S. 169-185.

Günter Buchstab: Gebhard Müller, in: Zeitgeschichte in Lebensbildern, 8, 1997, S. 247-263.

Frank Raberg: Gebhard Müller. Staatsmann zwischen Rumpfland und Länderneugliederung, in: Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte, 34, 120, 1998, S. 43-59.

Paul Feuchte: Gebhard Müller, in: Baden-Württembergische Biographien, 2, 1999, S. 324-332.

Gerhard Taddey: Gebhard Müller. Ein Leben für das Recht und die Politik, Stuttgart 2000.

Kurt Hochstuhl (Bearb.): Gebhard Müller 1900-1990. Christ - Jurist - Politiker, Stuttgart 2000.

Paul Kopf: Gebhard Müller. Ein christlicher Politiker aus Leidenschaft, in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte, 20, 2001, S. 269-287.

Martin Schumacher: Gebhard Müller. Ein Nachlass, zwei Findbücher und keine Biographie, in: Der Archivar, 54, 2001, S. 40-41.

Weik 2003, S. 104.

Frank Raberg: Gebhard Müller, in: Politische Köpfe aus Südwestdeutschland, hrsg. von Reinhold Weber, Stuttgart 2005, S. 277-287.

Paul-Ludwig Weinacht: Politische Kultur am Oberrhein, Karlsruhe 2012, S. 132-146.